Marc Schütz

Marc Schütz

Interview mit Marc Schütz anläßlich der Veröffentlichung
von Neue Kabel

Warum genau hast Du Dich ursprünglich für die Kabel interessiert und entschieden, eine moderne Variante von ihr zu erstellen? Hat Dich Deine Arbeit als Dozent an der HfG Offenbach, an der ja auch Rudolf Koch tätig war, hierbei beeinflusst?
Der Jahresbericht der Hochschule für Gestaltung in Offenbach 2013 sollte wegen Kochs Verbindung zur Schule mit der Kabel® gestaltet werden. Leider zeigte sich bei den ersten Layout-Tests, dass aus verschiedenen Gründen weder die Linotype Kabel noch die ITC Kabel für das Buchprojekt geeignet waren. Beide haben einen begrenzten Zeichensatz, keine Italics (!) und unkonventionelle Proportionen, die in Textgrößen schlecht lesbar sind. Ich habe das mitbekommen und daraufhin angeboten, eine zeitgemäßere Version der Kabel zu entwerfen, die für das Buch verwendet werden kann. Der Zeichensatz war auf das Nötigste begrenzt. Es gab nur zwei vollständige Schnitte in Regular und Italic und zusätzlich noch Ziffern und Versalien in Black. Nach der Publikation begann ich damit, die Neue Kabel zu einer vollständigen Schriftfamilie weiter zu entwickeln.

Was war Dir bei der Erstellung zur Neue Kabel, die ja zeitgemäßer und moderner als ihr Vorgänger ist, besonders wichtig?
Ein modernerer Rhythmus und Proportionen, bei gleichzeitiger Bewahrung des originalen Charakters. Eine umfangreiche Schriftfamilie und ein großer Zeichensatz, durch den die Schrift sich auch für besonders anspruchsvolle Aufgaben eignet.

Gibt es aus Deiner Sicht noch etwas, dass der Schriftfamilie fehlt?
Es gab für die Originale Kabel einige Erweiterungen, wie zum Beispiel Rundbuchstaben oder geschriebene Initialen. Diese zusätzliche Glyphen erlaubten es, mit wenigen Ersetzungen dem Schriftbild einen interessanten, neuen Charakter zu verleihen. Einige der ursprünglichen Erweiterungen sollen auch für die Neue Kabel entwickelt werden. Wichtig ist dabei allerdings, nicht in reinen Historismus zu verfallen.

Hast Du einen Lieblingsbuchstaben, -ziffer oder –zeichen?
Nein ; )

Welches Zeichen hat Dir während der Entstehung am meisten Spaß gemacht? Und welches hast Du als am schwierigsten empfunden?
Das schwierigste Zeichen für mich war das „S“, da es in der Original-Familie extrem unterschiedliche Formen hatte und ich aufgrund der modernen, interpolationsbasierten Arbeitsweise gezwungen war, eine einzige kompatible Grundform zu definieren.

Was sicherlich Typografie-Studenten auch interessieren würde: wie sahen Deine Arbeitsschritte für die Erstellung der Neue Kabel aus?
Ich habe aufgrund des geometrischen Grundcharakters der Kabel komplett digital gearbeitet und die Glyphen direkt in der Software konstruiert. Es gibt also keine Skizzen, nicht mal von ganz am Anfang.

Welche Schritte bist Du gegangen und waren essentiell für Deine Arbeit?
Vom Regular-Grundschnitt habe ich einen sehr feinen und einen sehr schweren Schnitt abgeleitet. Diese drei Master-Schnitte bildeten die Grundlage für die Interpolation der restlichen Gewichte. Da die schweren Schnitte der Original Kabel sich deutlich von den anderen Schnitten unterscheiden, musste ich im Weiteren bei dutzenden Buchstaben alternative Formen für die Interpolation anlegen. Es gibt zwischen den zwei schweren Schnitten und den restlichen einen Bruch in der Grundform vieler Buchstaben.

Gibt es noch andere Schriften, die es in Deinen Augen verdient hätten, aktualisiert zu werden?
Da bin ich überfragt ; )

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