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Oscar 2016-prämierte Movie-Fonts - Font-Neuheiten

Oscar 2016-prämierte Movie-Fonts

Oscar-awarded Movie Fonts 2016:
die Schriften auf den Filmplakaten

 
Mit viel Glamour wurden vor kurzem die diesjährigen Oscars überreicht. Auf dem roten Teppich und der Bühne drehte sich alles um die Schauspieler, Regisseure und Techniker. Etwas abseits des Rampenlichts stehen die Schriften auf den Plakaten der ausgezeichneten Filme. Wenn Sie, wie wir, trotzdem neugierig auf diese Schriften schauen, möchten wir Sie hier zu einem kleinen Ausflug einladen, für den wir die Schriften einiger Plakate recherchiert haben. Zwar kommt häufig eine sehr individuell angepasste Typo zum Einsatz, aber es gibt doch viele Schriften auf Linotype.com, die den verwendeten sehr ähneln.



Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrösserte Darstellung zu erhalten.

Spotlight

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Der US-amerikanische Film basiert auf realen Ereignissen und zeichnet die Recherchen des Spotlight-Teams der Zeitung „The Boston Globe“ zum sexuellen Missbrauch in der Bostoner katholischen Kirche nach. Spotlight erhält nicht nur den Oscar für den besten Film, sondern wird auch für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet.
Während das Plakat-Motiv einen mit Papier überladenen, klischeehaften Redaktionsschreibtisch zeigt, greift die Titeltypo, in Blocksatz gesetzt, die Optik einer typischen Zeitungsspalte auf. Passend dazu ist der Filmtitel in einer der Text- und Zeitungsschrift Minion ähnlichen Schrift gesetzt.
Mit seinem Design fängt Robert Slimbach in der Minion das Flair der späten Renaissance und die Eleganz barocker Formen ein. Die klaren und stabilen Buchstaben der Minion sind universal einsetzbar und machen nicht nur in Zeitungen oder Überschriften eine gute Figur.

Minion


The Big Short

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In dem US-amerikanischen Film The Big Short erkennt der Hedgefondsmanager Michael Burry relativ früh die sich anbahnende Finanzkrise. Versucht er zunächst, andere Banker vor der Gefahr zu warnen, entscheidet er sich aber im weiteren Verlauf, seine Fonds zu retten und selbst auf das Platzen der Immobilienblase zu spekulieren. The Big Short wird mit dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet.
Das großzügig, mit viel Weißraum gestaltete Plakat wird von, aus Pfeilen gestanzten, Fotos der vier Protagonisten, dominiert. Im Zentrum der Pfeile erscheint monumental und majestätisch der Filmtitel, gesetzt in einer der Engravers #2 Bold ähnlichen Schrift. Die sehr kontrastreichen und weitlaufenden Buchstaben erinnern nicht nur an historische Inschriften, sondern transportieren auch passend zum Sujet des Films ein protziges, auf Schein gebautes Flair.
Abgeleitet von den teilweise sehr expressiven Kupfergravuren zeichnet Robert Wiebking Ende des 19. Jahrhunderts die erste Version der Engravers, die einige Jahre später von Morris Fuller Benton überarbeitet und erweitert wird.

Engravers™ #2


Bridge of Spies

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Der US-amerikanische Spielfilm folgt der realen Person James Donovan, der als junger Pflichtverteidiger den sowjetischen Spion Rudolf Abel erst vor der Todesstrafe bewahrt und später als Unterhändler gegen einen über der Sowjetunion abgeschossenen, amerikanischen Aufklärungspiloten austauscht. Für seine Rolle als Rudolf Abel wird Mark Rylance mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.
Das dunkel und weitgehend farblos gestaltete Plakat wird von James Donovans Gesicht dominiert, das zwischen eine sowjetische und eine US-amerikanische Fahne montiert ist. Diese symbolische Grenze oder Verbindung wird über die rot eingefärbten Buchstaben „I“ des Filmtitels wieder aufgegriffen, gesetzt mit einer der Agency FB ähnlichen Schrift. Obwohl in einer anderen Epoche entstanden, knüpfen die wohldurchdachten, konstruierten Buchstaben der Agency FB nicht nur an den Charme der typografischen 1960er Jahre an, sondern stehen mit ihrem technischen, modernen Charakter jedem Agententhriller gut zu Gesicht.
Mit Agency greift Font Bureau-Mitbegründer David Berlow 1990 eine ursprünglich 1932 von Morris Fuller Benton veröffentlichte Titelschrift auf und erweitert sie um viele Strichstärken und Schnitte.

Agency FB


Mad Max: Fury Road

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Im vierten Teil der dystopischen US-amerikanischen Filmreihe wird der Einzelgänger Max zunächst von dem Tyrannen Immortan Joe gefangen genommen, kann sich aber befreien und kämpft dann an der Seite der ebenfalls geflohenen Furiosa gegen Joe. Mad Max: Fury Road wird mit insgesamt sechs, überwiegend technischen Oscars, wie zum Beispiel bester Schnitt, bester Ton, bester Tonschnitt, wie auch bestes Makeup und Kostümdesign ausgezeichnet.
Typografisch wird das Plakat vom Mad Max Logo bestimmt, das von einer der Antenna Extra Condensed Black ähnlichen Schrift abgeleitet und vor allem in der Textur modifiziert wurde. Die neutrale Groteske spielt hier eine Nebenrolle und dient praktisch nur als Schablone für die an rostige Hitze und Wüste erinnernde Textur. Begleitet wird das Logo übrigens von der schon bei „Bridge of Spies“ vorgestellten Agency FB.
Die sehr gut lesbare Sans Serif Antenna wurde von Cyrus Highsmith mit einer großen x-Höhe und offenen Punzen gestaltet und kann gut in Zeitungen oder Magazinen eingesetzt werden.

Antenna™


The Revenant

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Im US-amerikanischen Historien-Film muss der durch einen Bärenangriff schwerverletzte Trapper Hugh Glass mitansehen wie sein Sohn ermordet wird. Anders als von seinen Begleitern geplant, stirbt Glass, alleine in der Wildnis zurückgelassen, nicht, sondern kämpft sich zurück in die Zivilisation. Für seine Rolle als Hugh Glass wird Leonardo DiCaprio mit dem Oscar für den besten Hauptdarsteller ausgezeichnet, außerdem erhält Alejandro González Iñárritu den Oscar für die beste Regie und Emmanuel Lubezki für die beste Kamera.
Auf dem Plakat kommt eine der Trade Gothic ähnliche Schrift zum Einsatz. Obwohl sich die neutrale Groteske weitgehend aus der Montage des formatfüllenden Portraits und des verschneiten Winterwalds heraushält, bringen die markanten, erdigen Formen der Trade Gothic genug Charakter aufs Papier, um Glass bei seinem Überlebenskampf zu unterstützen.
Jackson Burke gibt seiner Trade Gothic mit vielen kleinen Unregelmäßigkeiten und Dissonanzen einen ganz eigenen, gerade in Headlines bei Designern sehr geschätzten Charakter.

Trade Gothic® LT


Bear Story

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In dem chilenischen Kurzfilm erzählt Vater Bär mit Hilfe eines aus Blech gebauten Dioramas von seiner Entführung als Zirkustier. Bear Story erhielt den Oscar für den besten animierten Kurzfilm.
Die Ästhetik des Filmplakats erinnert an ein Kinderbuch. Passend dazu kommt eine der Besley Hand Bold ähnelnde Schrift zum Einsatz. Die handgemalte Antiqua von Juraj Chrastina greift dabei nicht nur sehr gut das Flair des Plakates auf, sondern passt auch perfekt zum handgearbeiteten Blechspielzeug, mit dem der Film erzählt wird.

Besley Hand Bold


Inside Out

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Personifizierte Gefühle, die in einer Emotionszentrale sitzen, steuern im US-amerikanischen Animationsfilm die elfjährige Riley durch eine persönlich und familiär schwierige Phase. Inside Out wurde mit dem Oscar für den besten animierten Spielfilm ausgezeichnet. Während der Filmtitel als Logo passend zur turbulenten Kindergeschichte gestaltet wurde, kommt für den übrigen Text eine der Futura ähnliche Schrift zum Einsatz. Die von Paul Renner entworfene, konstruierte Sans Futura zeigt trotz ihres neutralen Charakters eine starke, bei Plakatgestaltern sehr beliebte Persönlichkeit.

Futura®


A Girl in the River

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Anhand des Schicksals des 18-jährigen Mädchens Saba Qaise setzt sich die Dokumentation mit häuslicher Gewalt und Ehrenmorden in Pakistan auseinander. A Girl in the River erhielt den Oscar für den besten Dokumentar-Kurzfilm.
In dem sehr reduzierten Plakat spielt die Typografie eine zentrale Rolle. Zum Einsatz kommt eine der Optima ähnliche Schrift. Im Kontext des Plakates erhält die zurückhaltende, freundliche und edle Optima zusätzlich einen sehr würdevollen Ausdruck. Ungewöhnlich für die in der Regel in Versalien gesetzten Filmplakate ist der kleingeschriebene Untertitel.
In der humanistischen Sans Optima greift Hermann Zapf die Formen der Renaissance Antiqua auf, verzichtet aber auf Serifen. Sehr charakteristisch sind die leicht gekehlten Stämme der lebendigen, offenen und sehr beliebten Schrift.

Optima®


Stutterer

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Der britische Kurzfilm erzählt vom zurückgezogen lebenden Typografen Greenwood. Aufgrund seiner Sprachstörung meidet er Kontakt zu anderen Menschen, nur die Online-Beziehung zu Ellie bringt etwas Abwechslung. Stutterer wurde mit dem Oscar für den besten Kurzfilm ausgezeichnet.
Fast etwas störend dominiert der in einer Futura-ähnlichen Schrift gesetzte Titel das Plakat und symbolisiert gleichzeitig visuell die stotternde Sprache des Protagonisten.
Der mitunter etwas kantige Ausdruck der sonst eher formal-neutralen Futura ergänzt dabei perfekt das Thema des Films.
Die 1928 von Paul Renner gezeichnete Futura, greift die konstruierten, serifenlosen Buchstaben der Bauhausepoche auf und wird, nicht zuletzt Dank ihrer markanten, sehr langen Oberlängen, gerade im Plakatdesign immer wieder gerne eingesetzt.

Futura®


The Hateful Eight

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Der US-amerikanische Western erzählt die Geschichte von acht sehr unterschiedlichen Reisenden, die ein Schneesturm in einer Herberge zusammenbringt. Der Film erhielt den Oscar für die beste Filmmusik.
Passend zum Genre des Films kommt eine westerntypische Slab Serif auf dem Plakat zum Einsatz. Der Titel basiert auf einer der Rockwell Bold Condensed ähnlichen Schrift, wurde aber vor allem in der Textur stark modifiziert.
Die 1934 von den Monotype Design Studios veröffentlichte Rockwell ist ein Klassiker unter den Slab Serif-Schriften und hat über die Jahre nichts an Popularität eingebüßt. Die soliden und kräftigen Buchstaben eignen sich bestens für markante Titel, können aber auch im Textbereich eingesetzt werden.

Rockwell®


Room

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Über Jahre wird Joy mit ihrem Sohn in einem kleinen Raum gefangen gehalten. Nach der gelungen Flucht ist es für beide schwierig, in ein normales Leben zurückzukehren. Für ihre Rolle als Joy wird Brie Larson mit dem Oscar für die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.
Vor dem Hintergrund des zum Würfel geformten Himmels wirkt der in einen Rahmen eingefasste Titel fast wie ein Türschild. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die konstruierte, der Rockwell ähnlichen Schrift. Die kräftigen Serifen und der etwas technische Charakter erinnern dabei an gefräste Schablonenschriften.

Rockwell®