Über die Ausgabequalität von Schriften: Font-Rasterizer und Hinting

Bekanntlich werden in digitalen Schriften die Outlines der Zeichen als sogenannte Vektoren gespeichert. Anders als in Pixelbildern, die über gesetzte und nicht gesetzte Rasterpunkte eine Form beschreiben, nutzen Vektoren mathematische Funktionen, die eine verlustfreie Größenänderung der Zeichen erlauben.
Vom Schneidplotter abgesehen, kann aber kein Ausgabegerät die Vektoren direkt wiedergeben – egal ab Drucker, Plattenbelichter oder Bildschirm, die Vektoren müssen in ein Pixelraster umgewandelt werden. Und genau das ist die Aufgabe eines sogenannten Font-Rasterizers, der in unterschiedlichen Versionen in jedem Ausgabegerät wie Drucker, Belichter und Betriebssystem seine Aufgabe erledigt. Je niedriger die Ausgabeauflösung ist, desto komplizierter wird dieser Vorgang. Halbe Pixel gibt es nicht und ist bei hochauflösenden Laserbelichtern die Breite eines Pixels vernachlässigbar klein, stellt bei 80 dpi Bildschirmauflösung, gerade bei kleinen Schriften, ein Pixel einen enormen Sprung dar.

Als Typografen wissen wir, wie schnell ein Buchstabe zu einem krumpeligen Etwas verkommt, wenn Strichstärken nicht exakt stimmen und wie wichtig ein korrekter Buchstabenabstand ist – auf einem groben Raster keine leichte Aufgabe.
Glücklicherweise kann der Bildschirm, anders als Drucker und Belichter, auch graue Pixel darstellen. Vom Font-Rasterizer geschickt angeordnet, können sie, auf leichte Kosten der Schärfe, fast wie halbe Pixel wirken und den Gesamteindruck der Buchstaben deutlich verbessern. Dies ist eine Technik, die als Antialising bezeichnet wird. Darüber hinaus werden auf LCD-Displays die senkrecht im Pixel angeordneten, farbigen RGB-Subpixel einzeln adressiert, um damit die Horizontal-Auflösung zu erhöhen.
Trotz aller Tricks, mit denen der Font-Rasterizer eine Menge an Darstellungsqualität erreichen kann, fehlt ihm elementares Wissen über das Aussehen eines Buchstabens. Welche Linien müssen auf dem Bildschirm gleich stark wirken, welche Rundungen sollen gleich aussehen? Und hier kommt das sogenannte Hinting ins Spiel. Über diese Technik können die Designer in ihren Schriften zusätzliche Informationen über das Aussehen hinterlegen. So zum Beispiel, welche Striche die gleiche Stärke und welche Kurven die gleiche Rundung haben. Je mehr dieser Informationen vorhanden sind, desto besser und genauer kann der Font-Rasterizer seine Arbeit erledigen. Allerdings ist das Anlegen dieser Informationen ein sehr aufwändiger, zeitintensiver und damit kostenträchtiger Vorgang. Da aber immer mehr am Bildschirm gelesen wird, bestimmt diese Technik maßgeblich die Qualität einer Schrift.
Wer sich schon einmal gefragt hat, warum bestimmte, von den Betriebssystemen mitgelieferte, Schriften so viel klarer und schärfer als anderer wirken, findet genau im Hinting die Antwort. Mit enormem Aufwand sind diese Schriften für die Bildschirmdarstellung optimiert. Auch wenn die hochauflösenden Displays der mobilen Geräte langsam ihren Weg auf den Desktop finden, sollte ein gutes Hinting, gerade beim Kauf von Webfonts, eines der entscheidenden Auswahlkriterien sein.