Linda Hintz

Linda Hintz

Interview mit Linda Hintz

Du hast im Auftrag von Gerard Unger die Condensed Schnitte zur Demos Next entworfen. Wie kam es denn dazu?
Mit der Überarbeitung für die Demos® Next haben wir über die gesamte Familie geschaut. Die Demos Next läuft recht breit und mit einer Condensed wird sie jetzt noch vielfältiger einsetzbar.

Wie kann man sich diese Arbeitsteilung denn vorstellen? Hat Gerard Unger Dir bestimmte Vorgaben gegeben?
Meistens bereite ich mehrere Vorschläge vor, hier z.B. verschiedene Breiten, die wir dann besprechen, verbessern, umbauen, bis die Weite stimmt, die Farbe zur normalbreiten Demos Next passt. Den Ausbau mache ich dann entsprechend und schicke Gerard Zwischenstände, die er wieder kommentiert, manchmal mit einer Zeichnung. So geht das hin und her bis zur Freigabe.

Gerard entscheidet schnell und ist offen für Vorschläge …

Beschreibe doch mal, wie Du die Zusammenarbeit mit Gerard Unger empfunden hast.
Gerard entscheidet schnell und ist offen für Vorschläge, es ist immer sehr angenehm mit ihm zu arbeiten. Und sein Deutsch ist fantastisch!

Was würdest Du sagen, hast Du von Gerard Unger durch Eure Zusammenarbeit gelernt und mitnehmen können?
Den Blick über das Ganze zu behalten, auch wenn man an Einzelheiten feilt. Den Kontext zu verstehen, dazu gehört auch die ganze technische Schriftgeschichte, die die Demos® mit sich bringt. Er hat gleich zu Beginn eine Mappe mit Material mitgebracht, mit einer CD von den ursprünglichen Daten, Artikel von 1975, Proofs von vorherigen Schritten.

Hat Dich dieser Arbeitsprozess vor Herausforderungen oder Problematiken gestellt?
Es ist kein Revival von einem sehr altem Design, aber die Frage, wieviel vom Alten erhalten bleiben soll und wieviel wir erneuern wollen, haben ich mir oft gestellt.

Es gab Zeitpunkte‚ da hätte ich die ganze Demos Next gerne „entrundet“.

Gab es andere Herausforderungen denen Du Dich während Deiner Arbeit stellen musstest?
Es gab Zeitpunkte, da hätte ich die ganze Demos Next gerne „entrundet“. In den Italics wahrscheinlich noch mehr als in den aufrechten Schnitten. Für die TTFs habe ich das Zeichenraster von 1000 Units auf 2000 erhöht, um die Rundungen zu erhalten und alles einmal durchgeschaut und nachkorrigiert.

Welche Techniken hast Du verwendet, um die Condensed Schnitte zur Demos Next zu erstellen?
Die RMX Tools von Tim Ahrends sind extrem hilfreich, um einfach und schnell viele verschiede Breiten zu generieren und dann testen zu können. Mit dieser Basis arbeite ich dann weiter, korrigiere und verfeinere sie.

Wegen der Rundungen sind mir bei der Demos Next auch manche anderen Zeichen wie z.B. das „Œ“ oder das „eth“ nicht so leicht von der Hand gegangen.

Welches Zeichen hat Dir denn während der Entstehung am meisten Spaß gemacht? Und welches hast Du als am Schwierigsten empfunden?
Ich hatte viel Freude mit den Kapitälchen, weil sie in ihren Proportionen kompakter sind als Großbuchstaben und wahrscheinlich auch weil man sie schnell zeichnen kann. Um das gute Ausbalancieren für die schwierigen Formen, wie z.B. bei „S“ oder „8“, kommt man nie herum. Wegen der Rundungen sind mir bei der Demos Next auch manche anderen Zeichen wie z.B. das „Œ“ oder das „eth“nicht so leicht von der Hand gegangen.

Gibt es aus Deiner Sicht etwas, dass der Schriftfamilie noch fehlt?
Ich könnte immer weiter ausbauen und weiter überarbeiten, aber für den Moment freue ich mich auf die Veröffentlichung. Wir können sogar Pin Yin setzen!

Gibt es sonst noch eine Anekdote die Du mit uns teilen kannst/möchtest, die Dir bei der Arbeit mit der Demos passiert ist?
Wir haben uns in Berlin am Morgen zu einer Besprechung in Gerards Morgencafé getroffen, es war wie immer sehr nett und ich hatte wahrscheinlich drei Espressi. Mit Herzrasen lässt sich sehr gut schnell mit dem Fahrrad ins Büro fahren, aber dann sehr schlecht Schrift zeichnen.

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