Die Lieblingsschriften des Schriftdesigners
Felix Bonge

Die Lieblingsschriften des Designers Felix Bonge

Felix Bonge
Der gebürtige Hamburger Felix Bonge kommt während seines Kommunikationsdesign-Studiums an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) über seinen Lehrer Jovica Veljović mit Typografie in Kontakt. Auch seine erste Schrift, die Levato™, startet als Designstudie und Semesterprojekt. Inzwischen betreibt Felix Bonge zusammen mit zwei Partnern das Designstudio allerzeiten in Hamburg.
Exklusiv für Linotype.com stellt Felix Bonge weiter unten seine Lieblingsschriften vor und erklärt, warum und wie er sie einsetzt.


Felix Bonge: „Was sind meine Lieblingsschriften?“

Keine einfache Frage. Ich gehöre jedenfalls nicht zum Vignelli-Typus‚ der mit einer Handvoll Schriften auskommt. Ich arbeite lieber projektorientiert. Die passendste Schrift zu finden‚ gefällt mir besser. Aber natürlich gibt es dutzende Schriften‚ die ich gern einsetze oder wegen ihres herausragenden Designs schätze. Hier ist meine kleine Auswahl aus dem Linotype Angebot.


Malabar

 Malabar
An der Malabar mag ich die Schärfe‚ die selbstbewusste Ausstrahlung und natürlich die extreme x-Höhe‚ die Absätzen eine angenehme Kompaktheit verleiht‚ ohne dabei die Lesbarkeit zu beeinträchtigen. Wir haben die Malabar Heavy für das Corporate Design unseres Studios allerzeiten gewählt und sie funktioniert nach wie vor wunderbar als starker Gegensatz zu unserer Monospace Hausschrift.
(Dank ihrer großen x-Höhe ist die solide Antiqua Malabar® von Dan Reynolds auch in kleinen Schriftgrößen prima lesbar. Charakteristische unsymmetrische Serifen und leicht abgeschnittene Enden geben der dezent antik wirkenden Schrift einen modernen Touch. Malabar wurde im TDC2 2009 mit dem Certificate of Excellence in Type Design ausgezeichnet und erhielt 2010 den Deutschen Design Preis.)


Garamond #3

 Garamond #3
Einer meiner Lieblingsautoren ist Stephen King. Und seine Bücher zu lesen‚ heißt auch Garamond #3 zu lesen.
Mit Sicherheit gibt es angenehmere Garamond Interpretationen‚ wie Garamond Premier oder die Stempel Version‚ aber diese hier bringt eine organische‚ unpolierte Direktheit mit sich‚ eine angemessen düstere Ausstrahlung und dafür mag ich sie. Es ist die richtige Schrift am richtigen Platz und sie liest sich ausgezeichnet. Ich bin froh‚ dass Garamond #3 mir all diese großartigen Geschichten erzählt hat.
(Das Garamond-Derivat „Garamond #3“ wurde 1936 von Morris Fuller Benton für die Linotype-Setzmaschine geschnitten. Die Formen der Buchstaben gehen auf Jean Jannon zurück, der kurz nach Garamonds Tod eine der Garamond sehr ähnliche Schrift veröffentlichte. Die im Vergleich zur Originalschrift etwas kräftiger und gedrungener wirkende Variante ist am besten am gemeinen „a“ sowie den etwas steileren Serifen am Fuß der Stämme zu erkennen.)


FF Quixo

 FF Quixo
Unkonventionelle Ansätze im Type-Design mag ich sehr und FF Quixo hat einen guten zu bieten. Unterschiedliche Werkzeuge für unterschiedliche Schnitte zu benutzen‚ durchbricht die starre Herangehensweise‚ die wir von den meisten Schriftfamilien kennen. Das Ergebnis ist eine Schrift‚ die seriös und verspielt zugleich wirkt. Was will man mehr?
(Frank Grießhammer zeichnet FF Quixo™ als Abschlussarbeit im „Type and Media Masters Program“ in Den Haag. Die Entwürfe entstehen dabei auf Papier mit der Spitzfeder. Wie im analogen Workflow sind die finalen Buchstaben so gestaltet, dass für jede Strichstärke ein eigenes Werkzeug zum Einsatz kommt. Ungewöhnlich und damit sehr markant sind die leicht nach oben gebogenen Serifen der FF Quixo. FF Quixo gehört 2014 zu den Gewinnern des TDC Typeface Design Contest.)


Bureau Grot

 Bureau Grot
Eine der besten im 19. Jahrhundert verwurzelten Serifenlosen‚ die ich kenne. Unter den sorgfältig beibehaltenen Eigenarten des Stephenson Blake Originals‚ treten besonders die angeschrägten Öffnungen von Buchstaben wie C und G hervor‚ die eine subtile Wärme und einen jazzigen Charakter in die Schrift einbringen‚ der in allen Schnitten deutlich spürbar ist. Ich mochte bereits die 12 Schnitte der 1993er Version. Die neue ausgebaute Version ist sogar noch besser.
(Bureau Grot basiert auf einer Sans Serif aus dem 19. Jahrhundert von Stephenson Blake aus dem englischen Sheffield. In den 1990er Jahren zeichnet Roger Black, meist im Rahmen von Kundenaufträgen, eine moderne Version und baut Bureau Grot mit 12 Stilen aus. Jill Pichotta, Christian Schwartz und Richard Lipton nehmen sich die Schrift 2006 erneut vor und veröffentlichen die überarbeitete und auf 27 Schnitte erweiterte Version.)


FF Balance

 FF Balance
FF Balance gehört zu den Schriften‚ auf die man sich verlassen kann. Ich hab sie schon häufig in meinem Typografie-Kurs empfohlen und war immer wieder überrascht‚ was sie aus den Designs herausholen konnte. Sofortiger Erfolg‚ jedes Mal.
Der umgedrehte Kontrast und die leicht kopflastigen Buchstaben verleihen dem hervorragend lesbaren Alphabet eine angenehm freundliche Ernsthaftigkeit‚ die es einem schwer macht‚ diese Schrift nicht zu mögen.
(FF Balance™ stammt aus der Feder von Evert Bloemsma. Neben den prominenten Tintenfallen ist vor allem der Verzicht auf gerade Linien für die Sans Serif charakteristisch. Folgerichtig zeigen die Stämme eine leichte Kehlung.)


FF Chartwell

 FF Chartwell
Zum Querdenken gibt es im Type Design nicht sonderlich viel Platz. FF Chartwell hat einen Weg gefunden.
Grafiken mit Hilfe von OpenType-Programmierung zu erstellen ist aufregend innovativ und zeitsparend zugleich. Im Endeffekt ist es die Essenz der Schriftgestaltung. Die Lösung eines Problems. Nicht mehr und nicht weniger.
(Mit Hilfe der OpenType-Technik und Ligaturen erzeugt FF Chartwell® von Travis Kochel aus Zahlenfolgen einfache Grafen, die jederzeit schnell und unkompliziert geändert werden können.)

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