
Die Neue Frutiger Thai-Schriftfamilie gibt es in den Schnitten Light, Regular und Bold, jeweils mit den passenden Kursivversionen
Lesen Sie nachfolgend weiterführende Informationen zu
Neue Frutiger Thai, verfaßt von
Anuthin Wongsunkakon, dem Designer dieser Schriftfamilie:
Die Fonts der Frutiger Thai-Schriftfamilie sind wahre Multitalente: Eine hat geschwungene Abschlüsse, sogenannte Schleifen, die andere nicht. Die zwei alternativen Zeichenformen sind das Ergebnis unserer Analyse gegenwärtiger und früherer Tendenzen in der thailändischen Typografie, entsprangen aber auch unserem Wunsch, Fonts zu realisieren, die den minimalistischen Stil der lateinischen Frutiger ergänzen.

Breitenvergleich zwischen Neue Frutiger Thai Modern ohne geschwungene Abschlüsse (obere Zeile) und Neue Frutiger Thai Traditionell mit geschwungenen Abschlüssen (untere Zeile)
Warum gibt es zwei Buchstabenformen für die gleiche Schrift? Um diese Frage zu beantworten, bedarf es einer kurzen Erklärung.
Nach vorherrschender Auffassung in Kreisen der thailändischen Typografie ist die Schleife für thailändische Zeichen wie die Serife für lateinische (auch wenn die Schleife theoretisch mit der Serife nicht vergleichbar ist). Daraus wird geschlossen, dass thailändische Zeichen ohne Schleife den lateinischen Serifenlosen entsprechen. Und wenn man thailändische und lateinische Schriften kombiniert, sollten die verwendeten Fonts der gleichen Kategorie angehören, andernfalls werde durch die Kombination die Optik des Schriftbildes beeinträchtigt. In der Realität lassen sich thailändische Zeichen mit Schleifen hingegen sehr gut mit lateinischen Sans Serif-Schriften kombinieren, ohne jegliche Nachteile für die visuelle Wirkung. Dennoch ist die zu Beginn genannte Auffassung vorhanden. Der umgekehrte Fall, also die Kombination einer lateinischen Serifenschrift mit einer thailändischen ohne Schleifen, wirkt hingegen etwas sonderbar.
Beide Typen thailändischer Schriften sind jedoch mit serifenlosen lateinischen Zeichen kompatibel. Traditionelle thailändische Schriften haben immer Schleifen, während Zeichen ohne diese Abschlüsse im Vergleich relativ jungen Ursprungs sind – sie werden erst seit rund vierzig Jahren und hauptsächlich als Akzidenzschriften verwendet. Bei den alten Schriften hatte Fließtext praktisch immer Schleifen und schleifenlose Schriften wurden bis in die jüngste Vergangenheit für Textkörper überhaupt nicht geschaffen. Bei einer so langjährigen Vertrautheit mit Schleifen sind diese Fonts daher für Designer die bevorzugte Wahl, wenn es darum geht, sie mit lateinischen Schriften zu kombinieren. Gleichzeitig eignen sie sich für die Kombination mit serifenlosen lateinischen Fonts für Akzidenzanwendungen und Bannerschriften.
Die Auffassung, nur Schriften der gleichen Kategorie zu kombinieren, hat sich als Konsequenz dessen entwickelt. Designer nehmen als selbstverständlich an, dass Schriften mit Schleifen mit lateinischen Serifenschriften und solche ohne Schleifen mit Sans Serif-Fonts kombiniert werden müssen.
Diese Überzeugung wurde wahrscheinlich auch von dem Grundsatz der Schriftklassifizierung beeinflusst, wie er in der westlichen Typografie üblich ist. In diesem Sinne könnten viele thailändische Schriften nach westlichen Regeln in Mediäval-, Barock-Antiqua- und moderne Schriften klassifiziert werden. Von den abschließenden Schleifen gibt es jedoch sehr viele Varianten, die letztendlich die Zuordnung zu solchen Kategorien erschweren. Die Buchstabenformen der schleifenlosen Schriften hingegen passen besser in die westlichen Systeme.

Beispiel des populären Ansatzes, Texte auf thailändisch zu erstellen: Überschrift und Zwischenüberschrift wurden in moderner Schreibweise (ohne geschwungene Abschlüsse), der Fließtext in traditioneller Schreibweise (mit geschwungenen Abschlüssen) erstellt
Damit beide Varianten der Frutiger Thai auf diesem Markt erfolgreich sein können, muss sich innerhalb der Designer-Community ein gewisses Verständnis der Entwicklungsgeschichte thailändischer Typografie und der vorstehend erwähnten, breiten Klassifizierung heutiger thailändischer Schriften entwickeln. Frutiger Thai wurde gezielt entworfen, um die Kluft zwischen den Schriften mit und ohne Schleifen zu überbrücken und damit Flexibilität für typografische Projekte zu schaffen, die die Kombination dieser zwei Kategorien erfordern. Ebenso wie sich die Lesestoffe ändern, werden sich wahrscheinlich auch Lesegewohnheiten der Menschen an neue typografische Medien und neue Schriften anpassen. Und die Markteinführung von Frutiger Thai spiegelt unsere Vorwegnahme dieses Wandels wider.
Für typografische Projekte, bei denen thailändische und lateinische Schriften kombiniert werden müssen, bietet Frutiger Thai Designern die Flexibilität, der serifenlosen Frutiger sowohl eine thailändische Schrift mit als auch ohne Schleifen an die Seite stellen zu können. Eher traditionell veranlagte Gestalter, die der Meinung sind, dass thailändischer Fließtext notwendigerweise Schleifen haben muss, können den entsprechenden Font wählen, während sich andere mit modernerer Anschauung für die schleifenlose Version entscheiden können.

Vergleich der beiden Versionen der Neue Frutiger Thai:
links Neue Frutiger Thai Modern, rechts Neue Frutiger Thai Traditionell
Die Zeichenformen von Frutiger Thai wurden nicht nur für eine harmonische Kombination mit der lateinischen Frutiger konzipiert, sondern auch für gute Lesbarkeit und ein proportional ausgewogenes Schriftbild. Hierzu wurde bei der Gestaltung der Zeichen zunächst die optische Wirkung der ursprünglichen serifenlosen Frutiger nachempfunden, um daraus dann einen thailändischen Zeichensatz ohne Schleifen zu entwickeln. Anschließend wurden der Struktur der Schleifenversion die passenden Außenrundungen hinzugefügt. Das heißt, es wurde ein zusätzlicher Umstrukturierungsschritt vorgenommen, um die Schleifen zu integrieren und gleichzeitig den Charakter der Original-Frutiger zu erhalten.