Jim Ford

Jim Ford

Interview mit Jim Ford

Ist Schriftdesign Ihre Hauptbeschäftigung? Welchen Beruf üben Sie neben dem Schriftdesign aus?
Mein Beruf ist Schriftdesign und meine zweite Disziplin ist Kunst. Grafische Gestaltung und Illustration liegen irgendwo dazwischen, aber derzeit arbeite ich in diesen Bereichen nicht.

Was inspirierte Sie zum Entwurf der Posterama?
Sie entstand ursprünglich 2007, für das Logo meiner früheren Band Duchamp. Diese Band war gleichzeitig eine Hommage und ein Experiment, nicht die gewöhnliche Garagen-Band. Mit unserer Musik haben wir uns selbst zur Kunst der Improvisation herausgefordert, mit einem Mix aus Rock- und Jazz-Musikern, die Konzeptmusik machten. Das waren schöne Zeiten. Ich war begeisterter Band-Leader und habe in dieses Hobby sehr viel Zeit investiert. Im Hinblick auf die Schrift habe ich versucht, den Zeitgeist von Marcel Duchamp in ihr einzufangen, aber auch die futuristischen Science-Fiction-Themen unserer Musik.

Haben Sie sich bei dem Entwurf von anderen Schriften beeinflussen lassen?
Ja. Von Sans Serif-Schriften aus dem beginnenden 20. Jahrhundert, jenen Schriften, die gemeinsam mit der modernen Kunst und den künstlerischen Bewegungen der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts populär wurden. Spontan fallen mir Futura®, Gill Sans® und andere geometrische Schriften ein. Bei Betrachtung unter dem „digitalen Mikroskop“ vermitteln diese Schriften jedoch einen anderen Eindruck als im Epochenfieber jener vergangenen Zeiten. Wenn ich die digitalen Schriften verwende, gelingt mir nie genau das, was ich will. Was fehlt, fragen Sie? Der weiche Effekt des Drucks und der mechanischen Reproduktion, der sich über mehr als 100 Jahre hinweg entwickelt hat. Viele der enthaltenen Alternativzeichen sind auch von Posterschriften inspiriert. Ich liebe unsere Geschichte der Bildkunst und das 20. Jahrhundert war diesbezüglich etwas wirklich Besonderes.

Die Formen sind nicht rein geometrisch‚ auch wenn sie den Eindruck erwecken‚ es zu sein.

Welche Techniken nutzten Sie bei der Realisierung Ihrer Schrift und wie gestaltete sich der Design-Prozess?
Der Prozess war maßgeblich digital. Als ich damals begann, sie zu zeichnen, stellte ich fest, dass die abgerundeten Ecken nicht automatisch gelingen konnten. Also habe ich die Ecken von Hand und mit geometrischen Berechnungen realisiert. Die Formen sind nicht rein geometrisch, auch wenn sie den Eindruck erwecken, es zu sein. Es mag seltsam klingen, aber ich habe mit der Bold-Variante begonnen. Denn diese war für den Bestimmungszweck die wichtigste und alles andere habe ich später daraus entwickelt.

Welche war die größte Herausforderung, mit der Sie sich bei der Gestaltung Ihrer Schrift konfrontieren mussten?
Jahre später habe ich das Konzept ausgebaut und um neue Dicken und zahllose Alternativzeichen erweitert. Einige der Alternativzeichen waren Teil des ursprünglichen Konzepts für Duchamp und mit dem Rat von Steve Matteson wurden sie noch um Einiges besser. Am Ende hatten wir viele verschiedene Varianten dieses geometrischen Modells. Die Herausforderung bestand nun darin, die Schriftfamilie zusammenzustellen und so praktisch und attraktiv wie möglich für den Nutzer zu gestalten. So entstanden die vom 20. Jahrhundert inspirierten Stile und dieser Aspekt der Arbeit hat mich besonders begeistert. Es war wie eine Mini-Geschichtslektion, die mit Hilfe einer Schrift und einer Zeitachse erteilt wurde.

Sie ist eine modulare‚ geometrische Sans. Sie vereint alle Varianten von Zeichenformen in untereinander austauschbare Familien.

Wie würden Sie den Stil Ihrer Schrift beschreiben?
Sie ist eine modulare, geometrische Sans. Sie vereint alle Varianten von Zeichenformen in untereinander austauschbare Familien. So hat zum Beispiel die Subfamilie  „1901“ natürlich einen anderen Look als die  „1919“. Die  „1927“ ist das Herz der Familie, ihr Design zeigt Anklänge von Gill Sans, mit einem Wink zu Paul Renners Arbeit mit Futura. Die Posterama-Schriften gehören nicht in diese spezifischen Jahre, dennoch besteht ein Zusammenhang zwischen dem Gestaltungsstil und der Zeit. Die Jahre sind lediglich Meilensteine.

Gibt es Aspekte des Designs, die Sie unterstreichen oder der Grafiker-Community über Ihre Schrift sagen möchten?
Ich habe beobachtet, dass viele Grafiker Fonts Out of the Box nutzen, also habe ich versucht, aus dieser Sicht fundierte Entscheidungen zu treffen. Dennoch, aufgrund der vielen Experimente mit Akzidenzschrift werden Sie aus diesen Fonts nur dann das Beste herausholen, wenn Sie sich wirklich darauf einlassen und ihre Charakteristiken erkunden.
Posterama ist aufgrund ihrer Verpackung einfacher zu verwenden – wechseln Sie zu einem anderen Jahr und Sie erhalten einen anderen Look bei gleichem Platzbedarf. Auf den zweiten Blick gibt es dabei aber noch mehr: jede der Subfamilien hat ihren eigenen Stilsatz, der die durch die Themen gegebene Vielfalt weiter erhöht. In Bezug auf Posterama muss ich nichts Spezielles hervorheben, die „Jahre“ und Stile sprechen für sich. Bereits wenn Sie den Namen eines Fonts lesen, können Sie die Geschichte sehen und hören. Stellen Sie es sich vor wie ein Spiel oder ein Puzzle mit Anhaltspunkten. Haben Sie im Geschichts- oder Kunstunterricht aufgepasst? Denn sie alle sollten Ihnen vertraut vorkommen. Aber auch, wenn Sie kein Geschichtsfan oder Künstler sind, haben Sie Schriften wie diese in der Welt schon gesehen und wissen, worum es geht.

Falls der Name es nicht hinreichend verrät‚ eignen sie sich hervorragend für Poster. Ich sehe sie aber auch in Logos‚ auf Verpackungen oder auf Schildern.

Für welche Anwendungen (Poster, Text, Zeitungen, Werbung usw.) würden Sie Ihre Schrift empfehlen?
Heutzutage mögen wir es nicht, wenn Personen in GROSSBUCHSTABEN schreiben. Im Design hingegen gelten andere Regeln. Falls der Name es nicht hinreichend verrät, eignen sie sich hervorragend für Poster. Ich sehe sie aber auch in Logos, auf Verpackungen oder auf Schildern. Außerdem glaube ich, Posterama hat auch außerhalb der Print-Medien eine Chance.
In gewisser Weise bringt sie den Print-Look in die digitale Dimension. Die heimliche Bestimmung von Posterama ist die Kinoleinwand. Ich finde, Kreative aus der Film- und Fernsehbranche sollten Posterama in Erwägung ziehen. Sie passt zu den verschiedensten Themen, von Hollywood über das Fernsehen bis hin zur Unterhaltungsbranche im Allgemeinen. Ob Titelsequenz, Filmabspann, Broadcast-Design, Poster oder Verpackungen von Musikmedien - hier fühlt sich Posterama zu Hause.

Welche sind die einzigartigen Details, die diese Schrift Ihrer Meinung nach charakterisieren?
Hmm … sie hat etwas von einem Standard-Look, aber die Details sprechen an und heben sich hervor. Es ist uns gelungen, dieser Plattform viele „Stimmen“ zu geben. Dabei sehe ich die Schriften wie Personen, die ja auch verschiedene Stimmen haben. Posterama ist wie ein talentierter Synchronsprecher – auf den ersten Blick eine ganz normale Person wie du und ich, aber mit der Fähigkeit, sich fließend in jemand anderen zu verwandeln.

Aus welchem Grund haben Sie der Schrift diesen Namen gegeben und was bedeutet er?
Er ist ein ausdrucksstarker Name mit Retro-Flair. Poster und Posterschriften liegen ihm im Blut, aber er ist auch wie ein Warenautomat für vertraute, geometrische Schriften. Dieser Automat enthält alle Sorten. Werfen Sie einfach eine Münze ein und tippen Sie den Code für Ihr Produkt, wonach auch immer Ihren Geschmackspapillen gerade der Sinn steht. Daher Posterama.

… ob groß oder klein‚ Print oder Bildschirm‚ auf Fotokopien‚ im Siebdruck‚ im 3D-Druck und so weiter …

Gibt es noch etwas, das Sie über Ihre Schrift gern sagen würden?
Ich bin mit der Verwendung von Posterama ziemlich vertraut und freue mich, dass sie sich für die meisten Zwecke eignet, ob groß oder klein, Print oder Bildschirm, auf Fotokopien, im Siebdruck, im 3D-Druck und so weiter. Die Art und Weise, in der Sie digitale Schriften verarbeiten, kann ihre Effekte noch einmal erheblich ausweiten. Ich habe mit diesem Design experimentiert und es mitunter auch ruiniert, aber in den meisten Fällen hat es sich gelohnt und die Formen haben standgehalten.

Hier noch ein paar Tipps:

1. Dies gilt für alle Anwendungen in Großbuchstaben für die meisten Schriften und definitiv für Posterama. Design-Tipp: die Großbuchstaben LIEBEN Extraplatz und positive Laufweiten. +40 ist ein Sweet Spot, sie können aber auch bis +200 oder +300 gehen, was dem Text und den Zeichenformen einen Hauch von Erlesenheit verleiht. Ich persönlich mag engere Laufweiten weniger, aber Sie können natürlich auch das tun.

2. Da es von Posterama 9 Varianten gibt, möchte ich noch einmal hervorheben, dass die „1927“ die neutralste Version der Schriftfamilie ist. „Posterama Text“, mit Kleinbuchstaben und Unterstützung zusätzlicher Sprachen, basiert auf „Posterama 1927“.

3. Mix & Match: alle Varianten unterscheiden sich leicht voneinander, haben aber einen gemeinsamen roten Faden und einige Buchstaben ändern sich nicht. Für kurze Textpassagen empfehle ich Ihnen, mit den Formen und Dicken zu experimentieren. Die Stilsätze sind Ergänzungen zu den einzelnen Serien der Familie.
Tipp: Probieren Sie, Buchstaben aus den Serien „1901“ und „1933“ zu kombinieren, um ein hybrides Arts & Crafts / Art Deco Feeling zu erzeugen. Bei diesen beiden Genres gibt es viele Überschneidungen und keine strengen Regeln. „1901“ hat eine hohe, „1933“ hingegen eine tiefere Mittellinie. Die Kombination beider generiert einen gewissen Rhythmus und Kontrast innerhalb eines Wortes. So etwas kennen wir von klassischen Posterschriften und Dekomotiven, aus dieser Sicht sind diese beiden Serien außerordentlich kompatibel.

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