Sandra Winter

Sandra Winter

Interview mit Sandra Winter

Wie hast Du Deine Leidenschaft für Schriftdesign entdeckt?
Während meines Studiums in Darmstadt habe ich mich zunehmend für Schriften und den Umgang mit Schrift interessiert. Mir haben die Projekte Spaß gemacht, bei denen nur mit Text gearbeitet werden sollte und ich fand es spannend, dass man nur durch die Wahl und Komposition von Schriften so starke Ausdrucksmöglichkeiten hat und mit Hilfe der Typografie komplexe inhaltliche Systeme darstellen kann.
Ich bin immer weiter ins Detail gegangen und irgendwann war für mich klar, dass ich noch mehr lernen möchte und vor allem mehr über die Gestaltung von Schriften lernen möchte. Nach dem Studienabschluss habe ich also nach Kursen und Programmen gesucht, die sich auf Schriftgestaltung spezialisieren und bin so auf das MA-Programm in Reading gestoßen.
Da ich vor dem Studium in Reading keine oder fast keine Erfahrungen mit Schriftgestaltung hatte, kann man wohl sagen, dass ich dort meine Leidenschaft für Schriftgestaltung wirklich entdeckt habe … und glücklicherweise kann ich dieser Leidenschaft seitdem auch beruflich nachgehen.

... wenn es eine Phase gibt‚ in der ich nur an Grafik-Design-Jobs arbeite‚ kann ich es kaum abwarten‚ wieder Schriften zu gestalten und in meine „ schwarz-weiße Welt” abzutauchen ...

Ist Schriftdesign Deine Hauptbeschäftigung? Welchen Beruf übst Du neben dem Schriftdesign aus?
Ich bin als selbständige Designerin tätig und habe festgestellt, dass es für mich ideal ist, in mehreren Bereichen gleichzeitig zu arbeiten.
Wenn ich mit einem umfangreichen Schriftprojekt beschäftigt bin, freue ich mich über Grafik-Design-Aufgaben, bei denen man im Gegensatz zu den Schriften schnell ein Ergebnis sieht und ich sozusagen „in Farbe“ arbeite. Aber wenn es eine Phase gibt, in der ich nur an Grafik-Design-Jobs arbeite, kann ich es kaum abwarten, wieder Schriften zu gestalten und in meine „schwarz-weiße Welt“ abzutauchen.
Zusammen mit Christina Bee habe ich auch einige Type-Design-Workshops unter anderem in Darmstadt und Nürnberg gehalten, in denen ich weitergeben konnte, was ich gelernt habe.
Es sind also unterschiedliche Bereiche, die sich aber überschneiden und das Tolle daran ist, dass man die Möglichkeit hat, die Dinge immer wieder aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Eine Herausforderung war‚ die Rundungen so zu gestalten‚ dass sie an allen Endungen‚ auch den Diagonalen‚ gleichmäßig rund aussehen und man keinen Knick im Übergang von der Geraden zur Rundung sehen kann ...

Welche besonderen Herausforderungen bringt es mit sich, für eine bereits bestehende Schriftfamilie wie Avenir Next zusätzliche Designs zu gestalten?
Generell ist es natürlich so, dass man sich in die Formensprache der Schrift einarbeitet, um weitere Zeichen oder Schriftschnitte für eine bestehende Schriftfamilie zu gestalten, man also nicht davon ausgeht, wie man selbst die Zeichen am liebsten gestalten würde, sondern sie so gestaltet, dass sie perfekt zu den vorhanden Zeichen passen.
Bei der Entwicklung der Avenir Next Rounded ist das etwas anders. Die Grundformen der Zeichen sind ja die gleichen wie die der Avenir Next. Das Besondere an dieser Aufgabe war, die Zeichen, die sich durch die Rundungen stark verändern, anzupassen, so dass sie optisch näher an den Zeichen der Avenir Next sind und besser zu den übrigen Zeichen passen. Also wenn z.B. das „k” durch die runden Endungen zu eng aussieht, wird man die Diagonalen verändern, so dass es breiter wird und zu den übrigen Zeichen passt.
Eine Herausforderung war, die Rundungen so zu gestalten, dass sie an allen Endungen, auch den Diagonalen, gleichmäßig rund aussehen und man keinen Knick im Übergang von der Geraden zur Rundung sehen kann.

Gut vorstellen könnte ich mir eine Kombination mit einer Serifenschrift; eine Schreibschrift würde vielleicht auch gut passen‚ gerade weil sie sehr gegensätzlich zur Avenir Next Rounded mit ihren geometrisch wirkenden Formen ist ...

Würdest Du Avenir Next Rounded mit anderen Schriften kombinieren, wenn ja, mit welchen?
Ich denke, es gibt da sehr viele Kombinationsmöglichkeiten, je nachdem, für welchen Einsatzbereich sie genutzt wird. Gut vorstellen könnte ich mir eine Kombination mit einer Serifenschrift; eine Schreibschrift würde vielleicht auch gut passen, gerade weil sie sehr gegensätzlich zur Avenir Next Rounded mit ihren geometrisch wirkenden Formen ist. Ich sehe da sehr viele Möglichkeiten zum Experimentieren.

Gibt es Einsatzbereiche, für die Du runde Schriften besonders empfehlen würdest?
Sie eignen sich besonders als Headline-Schriften oder für Texte in größeren Schriftgraden. Als Einsatzbereiche denke ich da vor allem an Plakate, Werbung, Editorial Design …

Eine Schrift ist für mich gut‚ wenn sie gut ausgearbeitet ist‚ also die Formen ausgewogen sind‚ das Schriftbild gleichmäßig und der Rhythmus stimmig ist ...

Was macht für Dich eine gute und was eine schlechte Schrift aus?
Eine Schrift ist für mich gut, wenn sie gut ausgearbeitet ist, also die Formen ausgewogen sind, das Schriftbild gleichmäßig und der Rhythmus stimmig ist. Es gibt Schriften, die mir persönlich nicht gefallen, also deren Formensprache ich nicht schön finde, die aber nur deshalb keine schlechten Schriften sind.
Bei einer Schrift, die ich schlecht finde, kommt mir oft der Gedanke, dass man noch mehr Arbeit hätte investieren müssen, weil sie eigentlich so noch nicht „fertig“ ist oder das Konzept dahinter nicht stimmig ist.

Ich finde‚ die Arbeit hat schon fast etwas meditatives‚ weil man Ruhe braucht und konzentriert immer wieder Änderungen an den gleichen Formen umsetzt‚ bis man schließlich zu dem Punkt kommt‚ an dem Formen und Rhythmus stimmen ...

Was gefällt Dir an der Arbeit, Schriften zu designen? Gibt es auch etwas, was Du während des Entstehungsprozesses eher ungern machst?
Das Interessante daran finde ich, dass man bei der Schriftgestaltung an winzig kleinen Details feilt, die zusammen ein Ganzes ergeben. Stimmt etwas nicht, funktioniert das ganze System nicht.
Ich finde, die Arbeit hat schon fast etwas meditatives, weil man Ruhe braucht und konzentriert immer wieder Änderungen an den gleichen Formen umsetzt, bis man schließlich zu dem Punkt kommt, an dem Formen und Rhythmus stimmen.
Schwierig ist, genau diesen Punkt zu finden, an dem die Schrift „fertig“ ist und man beschließt, nicht mehr weiter nach Fehlern zu suchen und weiter zu ändern, aber etwas was ich ungern mache, gibt es eigentlich nicht.

Wie lange dauert es in der Regel, bis Du eine Schrift fertiggestellt hast? Oder gibt es keinen festgelegten Zeitrahmen?
Einen festgelegten Zeitrahmen gibt es dabei nicht. Es kommt ganz auf das Projekt an, je nachdem, ob es sich um einen einzelnen Schriftschnitt oder eine umfangreiche Schriftfamilie handelt und je nachdem, wie groß der Zeichensatz sein wird. Der Zeitrahmen kann also zwischen wenigen Wochen und vielen Monaten schwanken.
Weitere Informationen zur DIN Next.

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