Anuthin Wongsunkakon

Anuthin Wongsunkakon

Interview mit Anuthin Wongsunkakon


Wie haben Sie Ihre Leidenschaft für Schriftdesign entdeckt?
Wie das geschah, kann ich gar nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich habe verschiedene Erfahrungen gemacht und könnte auf diese Frage verschiedene Antworten geben. Ein Ereignis war der Zeitpunkt Anfang der 1980er Jahre, als thailändische Banken begannen, Geldautomaten einzusetzen. Die Automaten trugen alle die Beschriftung ATM in futuristischen Designs. Die Werbung war überall. Und ich war begeistert, wie unterschiedlich man diese drei Buchstaben gestalten konnte. Dies weckte mein Interesse für Schriften und dann auch für Schriftdesign, als ich an meinem ersten Macintosh LC II Fonts und Fontmenüs begegnete.

Wie viele Schriften haben Sie bis jetzt entworfen?
Viele habe ich mehrere Jahre lang entwickelt. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie viele es genau waren. Aus dem einfachen Grund, weil rückblickend die meisten zu jenem Teil meiner Arbeit zählen, auf den ich nicht so stolz bin. In den ersten Jahren habe ich viel nutzloses Zeug produziert. Ich denke, es ist auch natürlich, wenn man zurückblickt und zu sich selbst sagt: „Warum habe ich stattdessen nicht jenes getan oder warum habe ich es nicht anders gemacht?“. Heute entwerfen wir individuelle Schriften für unsere Kunden (vorwiegend in Thailand). Wir arbeiten im Team und nicht mehr einzeln wie früher. Dadurch bin ich oft mit zwei oder noch mehr Projekten gleichzeitig beschäftigt und habe den Überblick verloren.

Ist Schriftdesign Ihre Hauptbeschäftigung? Welchen Beruf üben Sie neben dem Schriftdesign aus?
Ich beschäftige mich mit Grafikdesign hauptberuflich und mit Schriftdesign als Hobby. In den 1990er Jahren in Vollzeit als Schrift-Designer zu arbeiten, war gänzlich unüblich. Später hat sich dann viel verändert. Heute bieten wir einen kompletten Design-Service an. Das Grafikdesign ist etwas, von dem ich mich nicht trennen kann, aber zur Zeit arbeite ich damit weniger intensiv. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit dafür, es gibt mir noch immer viel. Neben meiner Tätigkeit im Atelier schreibe ich für einige thailändische Design-Fachzeitschriften und unterrichte Grafikdesign und Typografie an der Bangkok-Universität und der Chulalongkorn-Universität.
Es ist mir eine Ehre‚ mit einem zeitlosen Favoriten wie Helvetica zu arbeiten ...

Was inspirierte Sie zum Entwurf dieser Schrift?
Ich bin in den 1980er Jahren aufgewachsen, als Dry Transfer-Zeichensätze beliebt waren. Ich entdeckte einen Satz Helvetica Bold® in Thai von Manop Srisomporn. Mecanorma änderte den Namen der Schrift für den thailändischen Markt in Manoptica. Das war eine beeindruckende Arbeit und eine Antwort auf die Popularität von Helvetica in Thailand. Die Idee von der Lesbarkeit war ihrer Zeit jedoch etwas voraus. Manoptica wurde wie eine Akzidenzschrift verwendet und nicht so vielseitig wie ihr lateinisches Pendant. Bis sie dann später in das ASCII-Format konvertiert wurde. Sie inspirierte während der 1990er Jahre auch viele andere thailändische Schriften und führte die thailändische Schrift allgemein in eine neue Dimension. Im Jahr 2009 haben wir die Schrift überarbeitet, sie um neue Schnitte erweitert und, auf den Vorschlag von Manop selbst, in Manop Mai (Neue Manop) umbenannt. Als Linotype mich bat, die Möglichkeit zu erwägen, thailändische Zeichen für Helvetica World zu entwerfen, war es mir schlicht unmöglich, Nein zu sagen. Es ist mir eine Ehre, mit einem zeitlosen Favoriten wie Helvetica zu arbeiten.

Haben Sie sich bei dem Entwurf von anderen Schriften beeinflussen lassen?
Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für OCR-Schriften. Und in den vergangenen Jahren habe ich viel darüber gelernt. Ich streite nicht ab, dass der Einfluss der Experimente aus der Fontographer-Ära in gewisser Weise noch präsent ist, aber heute sind meine Interessen sehr vielseitig und hängen von vielen anderen Faktoren ab. Wenn Sie Namen hören wollen: Frutiger®, Helvetica, Meta®, Univers® oder DIN. Sie inspirieren alles, was dich inspiriert, sodass du von ihnen einfach nicht unbeeinflusst bleiben kannst.

Was den Prozess betrifft‚ liegt es mir persönlich weniger‚ auf Papier zu skizzieren und dann einzuscannen ...

Welche Techniken nutzten Sie bei der Realisierung Ihrer Schrift und wie gestaltete sich der Design-Prozess?
Die meisten unserer Projekte sind individuelle Schriften, was bedeutet, dass wir innerhalb bestimmter Kriterien arbeiten müssen. Dies betrachte ich als Teil der Problemlösung. Meiner Ansicht nach ist der Prozess frei, wobei es jedoch ein Standardverfahren geben sollte. Das heißt, man muss die Marke kennen, die Richtung der Corporate Identity und man sollte wissen, wie das Unternehmen in den Medien auftritt. Letztendlich hängt das alles aber auch davon ab, mit wem ich es zu tun habe. Was den Prozess betrifft, liegt es mir persönlich weniger, auf Papier zu skizzieren und dann einzuscannen. Das macht es schwieriger, das Design präzise zu vollenden. Ich bevorzuge es, direkt am Computer zu zeichnen und zu korrigieren. Es sei denn, man muss eine Idee schnell festhalten, bevor sie wieder entfliegt. Dann geht es auch im alten Stil mit Papier und Bleistift. Natürlich ist das eine völlig subjektive Auffassung.

Welche war die größte Herausforderung, mit der Sie sich bei der Gestaltung Ihrer Schrift konfrontieren mussten?
Mit zunehmendem Alter verlor ich das Interesse an ausgefallenen Dingen. Dekorative Elemente sind etwas, das ich heute eher meide. Meinen Höhepunkt in puncto unbeholfenen Akzidenzschriften hatte ich Ende der 1990er Jahre und das möchte ich keinesfalls wiederholen. Ich finde, praktische, dennoch charakteristische und nicht zu traditionelle Schriften zu entwerfen, ist eine beachtliche Herausforderung. Wie andere Schriftdesigner begeistert es mich jedes Mal, wenn ich merke, eine simple Lösung genau vor der Nase zu haben. Oder wenn ich eine neue Möglichkeit finde, den Buchstaben „I“ zu zeichnen. Es ist faszinierend, wenn andere neue Lösungen für das Schriftdesign finden. Aber es ist auch hart, weil du weißt, dass es da draußen Millionen andere gibt.

Ich glaube‚ Helvetica Thai ist eine Schrift‚ auf die thailändische Grafikdesigner lange gewartet haben ...

Gibt es etwas, das Sie unterstreichen oder der Design-Community über Ihre Schrift sagen möchten?
Ich glaube, Helvetica Thai ist eine Schrift, auf die thailändische Grafikdesigner lange gewartet haben. Wenn man die populäre Helvetica verwendet und kein passendes thailändisches Pendant hat, kann das mitunter sehr frustrierend sein, sofern man nicht das ganze Schriftbild verändern möchte. Ich weiß sehr gut, wie schwer es ist, ein bestimmtes Bild zu bewahren und die Schriften den Voraussetzungen einfach nicht genügen. Anstelle dieser wirklich passenden Variante wurden unzählige verschiedene thailändische Schriften verwendet.

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