Die Tiemann™, die von Walter Tiemann gestaltet wurde und 1923 bei der
Schriftgiesserei Klingspor erschien, gehört zu den modernen Buchschriften der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hierbei nimmt sie eine Ausnahmerolle ein. Während es sich bei diesen in der Mehrzahl um Neorenaissanceschriften handelt, wurde die Tiemann von klassizistischen Formprinzipien inspiriert. Jedoch ist die Tiemann eine sehr individuelle und freie Variation auf klassizistische Vorbilder. Sie behält zwar die ausgeprägten Strichstärkenkontraste und die flach gekehlten Serifen bei, ist aber in ihren Proportionen nach den Grundregeln der Neorenaissancereform gestaltet.
Die Anmutung der Tiemann-Antiqua kann als erhaben und elegant bezeichnet werden. Sie eignet sich für den Satz von Büchern und langen Texten. Ebenfalls wird sie wegen ihres aussergewöhnlichen Bildes in Headlines, sowie in der Zeitungs- und Magazintypografie angewendet.