Akira Kobayashi

Akira Kobayashi

Interview mit Akira Kobayashi anläßlich der Veröffentlichung der Between

Akira, wann und wie hast Du Deine Leidenschaft für das Entwerfen von Schriften entdeckt?
Ich glaube, das war in den frühen 1970er Jahren, als ich 12 oder 13 Jahre alt war. Schon das Zeichnen von Bildern mit Bleistift und Wasserfarben faszinierte mich und ich liebte es auch, Poster für Schulveranstaltungen und andere Festivitäten zu zeichnen. Eines Tages entwarf ich ein Poster mit schönem Schriftzug, das ich viel besser fand als die Entwürfe, die ich vorher gemacht hatte. Und ich realisierte, dass ein Poster etwas anderes ist als ein reines Kunstwerk. Denn Poster oder Plakate sollen Botschaften vermitteln, die durch geschriebene Wörter ausgedrückt werden. Illustrationen können Poster verschönern, also attraktiver machen, aber wodurch sie wirklich funktionieren, sind die geschriebenen Informationen, die man auf ihnen sieht.
Später begann ich, mich selbst im Schriftzeichnen zu unterrichten. Zu dieser Zeit kannte ich den Begriff „Schriftzeichnen“ oder „Lettering“ noch nicht, und ich wußte auch nicht, dass hierzu im Buchhandel Lehrbücher erhältlich waren. Ich verwendete Kanji-Zeichen, um Überschriften für Zeitungen zu erstellen, um im Schriftzeichnen Übung zu bekommen.

Kannst Du uns einige Deiner Lieblingsschriften nennen?
Alle Schriften von Hermann Zapf und Adrian Frutiger, von denen ich viel gelernt habe. Außerdem habe ich tausende Lieblingsschriften.

… ich versuchte‚ eine gute Mischung zwischen Eurostile und einer humanistischen Serifenlosen zu realisieren …

Du hast kürzlich die neue Between entworfen – was inspirierte Dich hierbei?
Im Sommer 2013 hatte ich Ideen für eine neue Sans Serif. Eine mit einem quadratischen „o“, aber mit einer humanistischen Anmutung. Eine weitere Idee war, eine Serifenlose mit lebendigen oder dynamischen Buchstabenformen zu erschaffen.
Die erste Idee führte zur heutigen Between™ 1, einer quadratischen Serifenlosen, gut geeignet z. B. für die Autoindustrie, mit Neigungen wie bei der Eurostile® oder bei der Helvetica®. Diese beide Schriften sind immer auf unserer Bestseller-Liste und ich versuchte, eine gute Mischung zwischen Eurostile und einer humanistischen Serifenlosen zu realisieren, um sie noch lesbarer zu machen. Bei Eurostile und Helvetica sehen manche Buchstabenformen ähnlich aus. So weichen z. B. die Außenformen des „c “ nicht so weit vom „o“ ab, wegen der geschlossenen Mündung. Das ist die Ästhetik von der 50er und 60er Jahre, anders gesagt: Das ist die Schönheit der Gleichförmigkeit. Aber ich wollte die Individualität jedes Buchstabens etwas deutlicher machen, damit sie noch leichter erkennbar werden.
Die Idee für eine Serifenlose mit lebendigen oder dynamischen Buchstabenformen führte zu Between™ 2 und 3 und entstand durch freie Zeichnungen.


Erste Entwürfe


Hast Du Dich von anderen Schriften beeinflussen lassen?
Nein.

Welche war die größte Herausforderung, mit der Du Dich bei der Gestaltung der Between auseinandersetzen musstest?
Die drei Stile haben eine gemeinsame Strichstärke, aber natürlich verschiedene Buchstabenbreiten und Formen. Es war aber nicht einfach, einen gleichmäßigen Grauwert und einen regelmäßigen Rhythmus zu erzielen.

Wie würdest Du den Stil Deiner neuen Schrift beschreiben?
Between 1 hat den Stil einer sachlichen Serifenlosen mit humanistischer Anmutung. Between 2 ist im Stil einer neutralen Serifenlosen. Und Between 3 kann man stilistisch als lockere Serifenlose mit der Qualität einer Schreibschrift beschreiben.

Für welche Anwendungen (Poster, Text, Zeitungen, Werbung usw.) eignet sich die Between Deiner Meinung nach am besten?
Für Werbung, Poster und Kataloge. Between 1 und 2 sehen auch im Textsatz gut aus.

... als ich dann alle drei Varianten nebeneinander stellte und betrachtete‚ realisierte ich‚ dass sie drei unterschiedliche Charaktere hatten‚ aber auch wie Schwestern zueinander in Verbindung standen.

Wie kamst Du auf die Idee, ein Schriftsystem mit drei Stilvariationen zu entwerfen – und wie stellst Du Dir deren Einsatz in Kombination vor?
Nadine Chahine sah meine Skizzen in verschiedenen Varianten. Die Skizzen gefielen ihr gut und sie fragte: „Warum entwirfst Du nicht eine Schriftfamilie mit drei Stilen?“ Das war die erste Idee, alle verschiedene Stile in einer Familie zu integrieren. Ich finde die Idee genial – als ich sie zum ersten Mal hörte, dachte ich, das klingt verrückt. Aber als ich dann alle drei Varianten nebeneinander stellte und betrachtete, realisierte ich, dass sie drei unterschiedliche Charaktere hatten, aber auch wie Schwestern zueinander in Verbindung standen. So dachte ich, dass dies eine neue Familienform sein könnte.

Kannst Du Dir außerdem vorstellen, dass man Dein Schriftsystem mit anderen Schriften mischt? Wenn ja, welche Schriften wären dies? Schriften, die Du selbst entworfen hast, und/oder auch Schriften von anderen Designern?
Stil 1 passt sehr gut zu quadratischen Serifenlosen, wie Eurostile und Verdana®. Auch empfehlen kann man DIN Next™ für die Überschrift und Between 1 für den Textsatz.
Stil 2 passt sehr gut zu neutralen, humanistischen Serifenlosen, wie Stone® Sans und Frutiger® und zu Frutiger® Serif.
Stil 3 passt gut zu humanistischen Serifenlosen wie Frutiger, aber auch zu zwanglosen Schreibschriften wie Comic Sans®. – Sehr gut zu sehen in diesem PDF-Dokument, in dem diverse Schriftkombinationen zu sehen sind.

Die leicht abgerundeten Ecken sorgen für ein zartes und freundliches Aussehen.

Welche sind die einzigartigen Details, die die Between von anderen Schriften abhebt und charakterisiert?
Die leicht abgerundeten Ecken sorgen für ein zartes und freundliches Aussehen. Die genau 10-Einheiten großen Ecken findet man auch bei der DIN Next und bei der Akko®, die ich beide entwickelt habe.

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