Jim Wasco

Jim Wasco

Interview mit Jim Wasco

Wie entdeckten Sie Ihre Leidenschaft für Schriftdesign?
Diese Leidenschaft entdeckte ich bereits als Kind, als ich schöne Handschriften betrachtete. Ich bat meinen Vater Lon Wasco, der ebenfalls Schreibschriften entwarf, mich das Schreiben mit Breitfeder zu lehren. Und mit diesem Studium der Kalligrafie begann meine berufliche Laufbahn im Schreib- und Druckschrift-Design.

Wieviele Schriften haben Sie bis jetzt entworfen?
Seit 1974 habe ich unzählige Schriften entworfen, hier ein Auszug aus der Liste der Designs, an denen ich gearbeitet habe:
Von 1974 bis 1989 assistierte ich freiberuflich Jim Parkinson bei der Gestaltung seiner Cochin®- und Kennerley-Revivals, einer alten, für den Metallsatz konzipierten Perspective und bei den zusätzlichen Schnitten Elephant, Italics und Condensed für Rolling Stone, realisiert mit Feder und Tinte.
Für andere Werbeagenturen habe ich das Logo der Kellerei Franzia sowie viele andere Logos für Verpackungen und Werbung gestaltet.
1985 entwarf ich bei der Primo Angeli Inc. Schriften für DHL Express und den Internationalen Flughafen von San Francisco.
Von 1986 bis 1989 entwarf ich verschiedene Schriftfamilien wie Garamond, Goudy™, Eras®, American Typewriter™, Futura®, Stymie, und andere bei SlideTek mit einem PC-gestützten B-Spline Vektor-Grafiksystem.
Von 1989 bis 2002 gestaltete ich Schriften bei Adobe Systems. Hier entwarf ich Tekton™ Bold, Mythos™, Tekton GX, die Wortligaturen für Waters Titling™, entwarf und realisierte die „Romaji“ Latin Zeichen für Heisei Maru Gothic W4 und W8 sowie die Ersatzschriften für Adobe Sans und Adobe Serif. Ich arbeitete an ITC Garamond™, ITC Cheltenham®, Albertus® und Castellar® und rezensierte die Arbeit von Linotype in Deutschland und Monotype im Vereinigten Königreich. Jüngst kooperierte ich beim Ausbau der Adobe Originals zu Pro-Zeichensätzen wie Jenson™ Pro, Minion® Pro, Kepler™, Sanvito™ Pro, Cronos™ und Calcite™ Pro, und leistete einen wichtigen Beitrag zur Erstellung der Multiple Master Fonts, als diese verkauft wurden. Eigentlich habe ich an zu vielen Schriften mitgearbeitet, um sie alle aufzählen zu können.
Seit 2003 bis heute entwerfe ich Schriften bei Monotype:
Erstellung einer Schriftfamilie in fünf Schnitten auf der Grundlage von Segoe Regular für Microsoft.
Leitung der Erstellung und Gestaltung der programmierten OpenType-Funktionen für Segoe® Script und Segoe® Print.
Entwurf von Wasco Sans, einer Schrift für die Game- und Flugsimulatorserien bei Microsoft.
Design der Schriften AT&T Sphere Gothic Sans.
Design einer neuen serifenbetonten Schriftfamilie für Gatorade.
Leitung bei der Gestaltung einer neuen Schrift mit dem Namen GE Sans für General Electric.
Design und Leitung bei der Realisierung verschiedener nicht-lateinischer Schriften für die Off-The-Shelf Display Imaging Produkte von Monotype – Armenian, Ethiopic, Khmer, Thai, Arabic, Hebrew und andere Schriften für afrikanische Sprachen wie Tifinagh, N’Ko und Bamum.
Neudesign der geometrischen serifenlosen Schriftfamilie Harmonia Sans™.
Leitung eines Projekts für die Spracherweiterung der Schriften London Transport von Edward Johnston um kyrillische und griechische Zeichen.
Design der Schreibschrift Elegy™ auf der Grundlage des ursprünglichen ITC-Logos von Ed Benguiat.
Design von neun neuen Schnitten für die Schriftfamilie Neue Aachen™, wodurch diese auf insgesamt 18 Schriften einschließlich Kursiv-Varianten erweitert wurde.
Design großer Zierbuchstaben für Morris Freestyle™ und Projektleitung.
Design von Ligaturen für die neue OpenType-Version von ITC Avant Garde® Pro.
Design griechischer und kyrillischer Varianten von Baskerville als E-Reader-Schriften.
Und jüngst habe ich Erweiterungen für den Schriftsatz der Noto Sans für Google entworfen.

Ist Schriftdesign Ihre Hauptbeschäftigung? Welchen Beruf üben Sie neben dem Schriftdesign aus?
Ich arbeite in Vollzeit als Schriftdesigner bei Monotype. Daneben spiele ich gelegentlich Jazzpiano und arbeite als professioneller Fotograf. In meiner Freizeit braue ich unter anderem selbst Bier und ich koche gern.

Mir gefielen die bei Spielen verwendeten Schriften nicht und wollte etwas ästhetisch Ansprechendes und besser Lesbares schaffen …

Was inspirierte Sie zum Entwurf dieser Schrift?
Die Inspiration für Daytona entsprang meinem Wunsch, die Blockschrift, wie sie im Fernsehen bei Sportveranstaltungen gezeigt wird, zu optimieren. Mir gefielen die bei Spielen verwendeten Schriften nicht und wollte etwas ästhetisch Ansprechendes und besser Lesbares schaffen.

Ich wollte ein Design mit abgerundeten Ecken‚ die ein freundliches‚ weiches Gesamtbild vermitteln …

Haben Sie sich bei dem Entwurf von anderen Schriften beeinflussen lassen?
Ja. Ich lasse mich immer und gern von guter Typografie beeinflussen. Ich wollte ein Design mit abgerundeten Ecken, die ein freundliches, weiches Gesamtbild vermitteln. Daytona kombiniert weiche, abgerundete Ecken mit der Robustheit kantiger, humanistischer Zeichenformen.

Welche Techniken nutzten Sie bei der Realisierung Ihrer Schrift und wie gestaltete sich der Design-Prozeß?
Im Jahr 2004 entwarf ich Wasco Sans, eine Sans Serif für Microsoft X-Box. Diese war ein Mix aus der sehr eckigen Eurostile und einer schlichten Trade Gothic. Ich nutzte Wasco Sans als Ausgangspunkt, rundete ihre Ecken ab und verwandelte sie in eine gefällige aber dennoch markante, sportlich wirkende Schrift.

Das Schwierigste bei der Gestaltung von Daytona war es‚ die abgerundeten Ecken an all den verschiedenen Abschlüssen und deren Winkeln beizubehalten …

Welche war die größte Herausforderung, mit der Sie sich bei der Gestaltung Ihrer Schrift konfrontieren mussten?
Das Schwierigste bei der Gestaltung von Daytona war es, die abgerundeten Ecken an all den verschiedenen Abschlüssen und deren Winkeln beizubehalten. Ebenso anspruchsvoll war es, zu erreichen, dass die abgerundeten Ecken bei den verschiedenen Schnitten optisch die gleichen Proportionen zur jeweiligen Schriftdicke hatten.

Daytona ist eine echte Performance-Schrift …

Wie würden Sie den Stil Ihrer Schrift beschreiben?
Daytona hat einen robusten, kantigen Look, da sie auf einer humanistischen Zeichenform basiert. Gleichzeitig wirkt sie aufgrund ihrer abgerundeten Ecken freundlich. Sie ist in sechs Strichstärken sowie einer Condensed-Variante verfügbar, die Kraft ausstrahlt und attraktive Überschriften hervorbringt. Sie ist eine echte Performance-Schrift. Die Proportionen der Zeichen sind schmal gehalten, um den Platz optimal zu nutzen, während die Laufweite im Interesse der Lesbarkeit großzügiger ist. Die Zeichen sind speziell für optimale Lesbarkeit konzipiert. Über die OpenType-Funktionen stehen Varianten für das „g“, das „t“ und das „&“ zur Verfügung, mit denen der Layouter verschiedene Optiken erzielen kann.

Gibt es etwas, das Sie unterstreichen oder der Grafiker-Community über Ihre Schrift sagen möchten?
Daytona ist mit OpenType-Funktionen ausgestattet. Die Features umfassen Brüche, Proportionalziffern, Tabellenziffern, hoch- und tiefgestellte Zeichen, Zähler, Nenner, Stilvarianten für das „g“ (nur Roman), das „t“ und das „&“ (nur Roman), Standardligaturen, Ordnungszahlen und Unterschneidungen. Das alternative zweistöckige „g“ ergänzt die Roman als Option für ein noch besser lesbares Schriftbild für Anwendungen, bei denen das „g“ deutlich von der Ziffer 9 unterschieden werden muss, wie bei Benutzeroberflächen oder Displays im Automobilbereich. Das kleine „a“ in der Standardvariante der Kursivschrift hat eine gut lesbare, zweistöckige Form. Zusätzlich gibt es ein einstöckiges Alternativzeichen, um auch eine traditionellere Kursivschrift zur Verfügung zu haben. Einige der anderen Buchstaben haben spezifische Eigenschaften, mit denen verhindert werden soll, dass sie mit ähnlichen Zeichen verwechselt werden, wie zum Beispiel einen Haken am kleinen „l“ und Serifen am großen „I“ und der Zahl 1.

Daytona eignet sich für alle Schriftprojekte‚ die mit Sport zu tun haben …

Für welche Anwendungen (Poster, Text, Zeitungen, Werbung usw.) würden Sie Ihre Schrift empfehlen?
Daytona eignet sich für alle Schriftprojekte, die mit Sport zu tun haben. Aufgrund ihrer sehr guten Lesbarkeit kann sie aber auch als Display-Schrift für Benutzeroberflächen verwendet werden. Sie eignet sich für das Fernsehen und das Web, für Benutzeroberflächen von Geräten wie Kfz-Armaturen mit Messanzeigen und Ziffern, Display-Computer, Mobiltelefone und GPS-Karten. Es gibt eine Condensed-Variante, die platzsparend ist. Ebenso eignet sich Daytona für die oben genannten Print-Produkte.

Welche sind die einzigartigen Details, die diese Schrift Ihrer Meinung nach charakterisieren?
Daytona passt in die Kategorie der Designs mit kantigem Block-Charakter, dennoch basiert sie auf humanistischen Zeichenformen, wodurch sie besser lesbar ist als andere kantige Schriften dieser Kategorie. Die abgerundeten Ecken fügen eine weitere Dimension hinzu, sie mildern den kantigen Charakter ab und verleihen der Schrift einen persönlichen, freundlichen Look.

Aus welchem Grund haben Sie der Schrift diesen Namen gegeben und was bedeutet er?
Daytona Speedway ist der Name eines Autorennens in Florida. Ich wollte meiner Schrift einen Namen geben, der eine Assoziation zu Sport-Events generiert. Seit jeher habe ich eine Schwäche für Rennautos. Als Schriften-Nerd, der ich nun einmal bin, liebe ich Rennwagen, die mit Bildern, Logos, großen Zahlen und Werbung vollgeklebt sind. Und Daytona fiel mir spontan ein, als perfekter Name für diese Schrift.

Gibt es noch etwas, das Sie über Ihre Schrift gern sagen würden?
Eine personalisierte Variante von Daytona wird von ZTE China für eine neue Version der Benutzeroberfläche MiFavor für Android-Smartphones verwendet.

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