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Helmut Ness - Designer Interview

Helmut Ness

Helmut Ness
Foto: Waldemar Salesski

Interview mit Helmut Ness anläßlich der Veröffentlichung
der Vialog 1450

Wie entdeckten Sie Ihre Leidenschaft für Schriftdesign?
Mein Professor Werner Schneider faszinierte mich im Studium in Wiesbaden, wie man sich für die Formsprache von Buchstaben und deren Aneinanderreihung begeistern kann. Während meinem ersten Aufenthalt in Berlin erlebte ich dann im Umfeld von Henning Krause mit seinem Büro formgebung, Erik Spiekermann (MetaDesign) und den ersten Aufgaben für FontShop die Tiefe der Schriftentwicklung kennen.

Wie viele Schriften haben Sie bis jetzt entworfen?
Vier Schriftfamilien, einige Corporate Fonts und Headline-Schriften, wie zum Beispiel die Russisch Brot gemeinsam mit meinem Studienkollegen Markus Remscheid.

Ist Schriftdesign Ihre Hauptbeschäftigung? Welchen Beruf üben Sie neben dem Schriftdesign aus?
Schwerpunkt ist heute durch die Aufgabe des Büros Fuenfwerken die Entwicklung von User Experience und Innovationen verbunden mit Markenentwicklung und Markendesign. Schrift spielt jedoch immer stärker aktuell wieder eine Rolle, dieses durchgängige Markenerlebnisse eigenständig erkennbar zu gestalten.

Für die Vialog 1450 lag die DIN 1450 Lesbarkeit-Studie zu Grunde ...

Was inspirierte Sie zum Entwurf der Vialog 1450?
Der Auslöser für die Vialog war damals eine Schrift zu entwerfen, die den Anforderungen eines Öffentlichen Nahverkehrssystem identitätsstiftend und gleichzeitig hohe Lesbarkeit für Fahrgastinformationen Rechnung trägt. Die Herausforderung war damals für München „platzsparend“ und damit wirtschaftliche Aspekte ein zu halten, daher die Verhältnis mäßig schmal laufende Version. Für die Vialog® 1450 lag die DIN 1450 Lesbarkeit-Studie zu Grunde, so dass Werner Schneider und ich diese Version der Lesbarkeit zu Gute breiter zeichnen konnten.

Haben Sie sich bei dem Entwurf von anderen Schriften beeinflussen lassen?
Durch die enge Zusammenarbeit mit Werner Schneider, aber auch durch die Zeit mit Henning Krause in Berlin haben mich die handschriftliche Formfindung und die technische Ausarbeitung gleichermaßen geprägt. Adrian Frutigers offen gehaltene, aber nicht konstruierte Frutiger auf der einen Seite und die offen gestalteten und dennoch schmal laufenden Schriften holländischer Prägung (Schule von Gerrit Noordzij in Den Haag) haben mich beeinflusst. Dazu kommt auch die Denke von Erik Spiekermann und Luc(as) de Groos.

Welche Techniken nutzten Sie bei der Realisierung der Vialog 1450 und wie gestaltete sich der Design-Prozess?
Die Findungsphase (Define) findet heute, wie schon immer, auf Papier statt. Das Testen von prototypischen Zeichenformen und Schriftmuster finden heute ausschließlich über den Import durch AI und dann mittels Georg Seiferts Glyphs statt. Fontographer und Frontlab nutze ich nicht mehr. Für Handlettering Projekte nutze ich auch gerne mal das iPad pro und iFontMaker. Zum Verfeinern nutze ich aber hier auch Glyphs.

Die Zurichtung und das Kernig bleiben jedesmal eine Challenge für mich ...

Welche war die größte Herausforderung, mit der Sie sich bei der Gestaltung der Vialog 1450 konfrontieren mussten?
Die Zurichtung und das Kernig bleiben jedesmal eine Challenge für mich. Dazu kommt bei Projekten wie der Vialog das Co-Working zwischen 2 Generationen von Schriftgestaltern, die über Desktop-Sharing mit Glyphs zusammen arbeiten. Die Erfahrung und das kritische Auge einer Persönlichkeit wie Werner gleichen diese „technische“ Herausforderung aber mehr als 100% aus. Ich möchte seinen Rat nie missen.

Wie würden Sie den Stil Ihrer Schrift beschreiben?
Schmal und jetzt nach DIN 1450 normal laufende offen gehaltene Groteskschrift mit humanistischer Prägung. Im Mittelpunkt der Gestaltung lag immer „Griffigkeit“, zu Gunsten der Lesbarkeit.

Hohe Lesbarkeit und Unverwechselbarkeit im Einsatz von Informationen gegenüber der Vorgabe von Wirtschaftlichkeit sehr Platz sparend zu sein war die Herausforderung ...

Gibt es etwas, das Sie unterstreichen oder der Grafiker-Community über die Vialog 1450 sagen möchten?
Hohe Lesbarkeit und Unverwechselbarkeit im Einsatz von Informationen gegenüber der Vorgabe von Wirtschaftlichkeit sehr Platz sparend zu sein war die Herausforderung. Auf dieser Grundlage prägt die Vialog die Denke zweier Generationen von Schriftdesignern. Der Erfolgt der Lösung zeigt sich in der Wahl der Vialog als Informationsschrift in Japan oder auch New Jersey. Erst die Weiterentwicklung zur neuen DIN 1450 fokussiert jetzt ausschließlich auf die Lesbarkeit und nicht auf wirtschaftliche Vorgaben.

Für welche Anwendungen (Poster, Text, Zeitungen, Werbung usw.) würden Sie die Vialog 1450 empfehlen?
Informationsdarstellung, wo es auf Unverwechselbarkeit ankommt. Beispiel: Leit- und Orientierungssysteme, wie die Highwaybeschilderung in Japan oder die Fahrgastinformation der U-Bahn in München.

Welche sind die einzigartigen Details, die diese Schrift Ihrer Meinung nach charakterisieren?
Die Unverwechselbarkeit von Buchstabenkombination, wie „il“ durch die eigenständige Zeichenform des „i“. Dieses war mitentscheidend für den Einsatz der Vialog in Japan.

Das Ziel war eine Schrift für die Weg-Kennung zu entwerfen ...

Aus welchem Grund haben Sie der Schrift diesen Namen gegeben und was bedeutet er?
Das Ziel war eine Schrift für die Weg-Kennung zu entwerfen, deren Gestaltung eine gewisse „Logik“ durch einen hohen Anspruch an Lesbarkeit hat. So kamen wir damals auf die Idee von „Via“ und „Logos“ was zum Namen führte.

Gibt es etwas, das Sie unterstreichen oder der Grafiker-Community über die Vialog 1450 sagen möchten?
Mein Ziel wäre es, wenn die Zeit zwischen Familie und Fuenfwerken reichen würde, die Vialog für das Gestalten von digitalen Erlebnissen spezifisch auszubauen, so dass die Schriftfamilie als Corporate Font noch vielfältiger zum Einsatz kommen kann.