Pump™ Schriftfamilie


Entworfen von Philip Kelly (2009)

Rounded-Schriften – Rounded Fonts

Rounded-Schriften sind wieder voll im Trend
Ein historischer Rück- und Ausblick

„Alles so schön rund hier!“ könnte der Ausspruch lauten, wenn man sich heute in Großstädten oder auf populären Internetseiten umsieht. Ob es sich um Logos, Plakate, Banner oder Anzeigen handelt – viele Fonts erscheinen wie mit Weichspüler gewaschen. Bekannte deutsche Marken wie Rewe, Otto, Vaillant oder tegut haben sich in den letzten Jahren ein neues, weicheres Design gegeben. Gerundete Schriften sind populär und allgegenwärtig.


Doch bei den Rounded Fonts es ist wie mit Schlaghosen und Nierentischen: Sie waren schon mal da und manchmal kommen sie wieder. Wellenförmig – mal mehr und mal weniger gefragt – zieht sich der Rounded-Trend durch das 20. Jahrhundert hindurch, wobei die letzte Hochphase in den Siebzigern und Achtzigern zu beobachten war. Und nicht jeder ist auf den Abwärtswellen mitgeschwommen: Das Logo der deutschen ZDF-Sendung „Wetten dass …“ zum Beispiel ist seit mehr als 30 Jahren (fast) unverändert rund.

In den siebziger Jahren wurden nicht nur alle Muster sondern selbst die Rahmen von Tabellen an den Ecken abgerundet. Sogar Papier stanzte man an den Ecken rund. Natürlich wurden auch die Schriften von dieser runden Welle erfasst und es entstanden mehrere Grotesk-Versionen mit runden Formen. Für ITC belebte 1972 beispielsweise Ed Benguiat mit der ITC Souvenir eine alte amerikanische Schrift von Morris Fuller Benton von 1914 zu neuem Leben. Die Schrift wurde übrigens trotz ihrer eigentümlichen Form ursprünglich für Formulare zur Steuererklärung verwendet. Ohne runde Ecken, aber sonst voll im Trend, entstand 1975 die ITC Bauhaus. Bei dieser konstruierten Grotesken sind die geometrischen Formen komplett rund gestaltet, ähnlich der Pump oder der Blippo von Robert Trogman aus dem Jahr 1970. Auch die ITC Benguiat Gothic von 1979 schwimmt auf der damaligen Welle der Rounded Fonts mit.


Die Tendenz zu runden Schriften in den 1970ern und 80ern zog auch eine ganze Flut von neuen Firmendesigns nach sich. 1973 erhielt das ZDF in Mainz ein neues Erscheinungsbild: die ZDF Rounded von Designer Otl Aicher war vom Vorbild der Univers inspiriert. Weil die geringe Auflösung damaliger Fernsehbilder und das Verfahren zum Einblenden von Schriften Ecken und Serifen rund erscheinen ließen, entschied sich das ZDF von vorneherein für eine runde Schrift.


Als der Volkswagenkonzern 1979 sein Erscheinungsbild von der klassischen Futura hin zu einer gerundeten Version änderte, entstand die heute unter diesem Namen weltweit verbreitete VAG Rounded. Auch der Ölkonzern Aral überarbeitete im gleichen Zeitraum sein Schriftdesign hin zu abgerundeten Formen.


Begibt man sich auf die Suche nach der ältesten Rounded-Schrift wird man in der Sammlung von Rob Roy Kelly fündig. In „American Woodtyp: 1828–1900“ ist die Gothic Rounded in Versalform abgebildet und wird auf Jahr 1838 datiert. Wirklich bekannt ist diese Schrift aber nicht, was vielleicht auch an ihren nicht ganz geometrischen Rundungen liegt, die weniger eine bewusste Schriftgestaltung als die handwerklichen Fähigkeiten des Holzschnitzers zu zeigen scheinen.


Deutlich bekannter, aber auch jünger, ist die runde Groteske Bloc von Berthold. Die etwas eigenwillig geformte Schrift wurde im Jahr 1908 veröffentlicht und ist als Auszeichnungsschrift mit einer leicht rauen Kontur ausgestattet. Für den Druck war das sehr praktisch, denn einer Schrift, die eh schon leicht unsauber wirkt, konnte in der Presse nicht mehr viel passieren.


Die verschiedenen Popularitäts-Wellen vom Rounded-Schriften erfassten nicht nur die Grotesken, auch bei den Serifenschriften war rund Trumpf. Exemplarisch sind die Windsor von Eleisha Pechey (1905) und die Cooper Black von Oswald Bruce Cooper (1921) zu nennen. Letztere ein Klassiker, der noch heute immer wieder als Auszeichnungstype verwendet wird. Auch die König Antiqua von Heinz König (1905) von der Schriftgießerei Klingspor in Offenbach ist ein weiteres Beispiel aus Bleisatzzeiten, bei dem man versucht hat, Serifen abzurunden.



Da sich runde Formen sehr gut mit den Gestaltungsprinzipien von Schreibschriften kombinieren lassen, verwundert es nicht, dass auch dieses Genre mit zahlreichen Vertretern aufwarten kann. Zu erwähnen sind hier die etwas ältere Balloon (1939) oder die bekannte Dom Casual von Peter Dombrezian (1952). Jüngeren Datums ist die Wiesbaden Swing von Rosemarie Kloos-Rau (1992) oder auch die nicht unumstrittene Comic Sans von Vincent Connare (1994).


War es in den späten 1990ern Jahren und um die Jahrtausendwende eher still um die Rounded Fonts, erfreuen sie sich heute, in Zeiten des Social Web, einer stärkeren Beliebtheit als je zuvor. Der Grund hat nichts mehr mit technischen Darstellungsproblemen zu tun: heutige Fernseher und Monitore können Ecken ohne Qualitätsverlust abbilden. Vielmehr passt der Flair der runden Schriften gut zum persönlichen Charakter der Netzwerke. Das häufig etwas technische, dennoch aber warme und weiche Ambiente der Rounded Fonts spiegelt den Zeitgeist vieler Startup-Firmen wieder und so wundert es nicht, dass zum Beispiel das Logo des Internet-Telefondienstes Skype oder die (inzwischen nicht mehr zum Einsatz kommende) Wortmarke des Kurznachrichtendienstes Twitter mit gerundeten Schriften gestaltet sind.



Den runden Schriften entgegen kommt auch ein aktueller Trend im Webdesign: Große Schriftgrade und leuchtende Farben auf hellen Hintergründen kompensieren hier die per se etwas schlechtere Lesbarkeit von Rounded Fonts. Den Einsatz dieser, dank Webfonts in großer Zahl verfügbaren Schriften, steht also auch im Webdesign nichts im Wege.

Die aktuell große Verbreitung und Beliebtheit der gerundeten Schriften spiegelt sich natürlich auch bei den Neuerscheinungen der letzten Jahre wieder. Zahlreiche Schriftklassiker wurden von Monotype überarbeitet und mit zusätzlichen Schnitten ausgestattet. In diesem Zuge haben zum Beispiel die Avenir Next von Adrian Frutiger und Akira Kobayashi, die Museo Sans von Jos Buivenga oder auch die DIN Next von Akira Kobayashi, Schnitte mit gerundeten Ecken erhalten.


Aber auch zahlreiche neue Schriftschöpfungen greifen den aktuellen Trend auf. Schöne Beispiele sind die gut ausgebaute Akko von Akira Kobayashi, die markante Klint von Hannes von Döhren oder Xenois Soft von Erik Faulhaber als Teil der Superfamilie Xenois. Auch die etwas eigenwillig geformte, dafür aber sehr charakterstarke Familie Fruitygreen von Andi AW. Masry gehört zu den jüngst veröffentlichten runden Schriften.


Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich ein weiterer Schrifttrend, der perfekt mit den runden Schriften harmoniert. Auch die aktuell sehr beliebten Retroschriften im Stil der Werbeschriften der 1950er und 60er Jahre punkten mit runden Formen. So ist es wenig überraschend, dass zum Beispiel moderne Plattformen im Internet wie Vimeo oder Instagram genau diese, von Pinselschriften abgeleiteten Formen, für ihre Logos benutzen.



Retro ist wieder angesagt. In unserer sich immer schneller drehenden Welt suchen wir also nach dem, was wir mal mochten und eigentlich immer noch mögen.

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