Typografie während der Jugendstil-Epoche

In Deutschland wurde die Jugendstil-Schriftgestaltung von zwei Persönlichkeiten stark beeinflußt: Otto Eckmann (1865–1902) und Peter Behrens (1986–1940). Im Jahr 1900 erschien in der Rudhardschen Gießerei eine Schriftprobe in 16 Graden, die für die Schriftgeschichte ein Novum darstellte und die jungen Ideen der damaligen Zeit einzigartig darstellte: die Eckmann®-Schrift. Diese mit dem Pinsel entworfene Schrift enthält Formelemente voon Antiqua und auch Fraktur. Trotz ihres dekorativen und ornamentalen Charakters wurde sie anfangs bei der Gestaltung vieler Bücher verwendet. Die floralen Formen waren Eckmann aus seinem malerischen Werk geläufig: bevor er sich dem Kunstgewerbe und der Schrift widmete, hatte er ein großes bildnerisches Oeuvre geschaffen, das er 1894 versteigern ließ. Neben seinen gebrauchsgrafischen Arbeiten entwarf er Schmuck, Möbel und Stoffe. Berühmt als eines der einprägsamsten Signets wurde die „7” für die Zeitschrift „Die Woche”.




Titelsignet für die Zeitschrift DIE WOCHE, 1899

Peter Behrens war nach Eckmann der zweite Künstler, der, von Karl Klingspor engagiert, als künstlerischer Berater einer Schriftgießerei fungierte. Er zeichnete 1902 die „Behrens-Schrift”, danach „Behrens-Kursiv”, „Behrens-Antiqua” sowie „Behrens-Mediaeval”. Ab 1907 arbeitete er als künstlerischer Beirat der AEG in Berlin, wo er mit seinem Gesamtkonzept bei der Gestaltung der Drucksachen richtungsweisend für modernes Corporate Design wurde.




Weitere Schriftkünstler, deren Anfänge im Jugendstil liegen und die sich zu meisterhaften Entwerfern weiterentwickelten, heißen Emil Rudolf Weiss (1875–1942), Walter Tiemann (1876–1951) und Fritz Helmuth Ehmcke (1878–1965). Rudolf von Larisch widmete sich stark der künstlerischen geschriebenen Schrift und sammelte in einer Buchreihe Schriftbeispiele internationaler Künstler wie Georges Auriol (Paris), H. P. Berlage (Amsterdam), Charles Mackintosh (Glasgow), Otto Wagner (Wien) und vielen anderen.


Zeitungsanzeige von Otto Eckmann

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