Jan Tschichold – Zum 100. Geburtstag

Jan Tschichold ist eine der herausragendsten und einflußreichsten Persönlichkeiten der Typografie des zwanzigsten Jahrhunderts. Er war ein Meister der Praxis, arbeitete als Lehrer, schrieb umfangreiche Bücher, zeichnete Schriftschnitte und arbeitete sein Leben lang als Designer und Schriftsteller. Sein großer Einfluß auf das Druckgewerbe und Gestalter in Europa und den USA ist unbestritten. Seine berühmte Schrift Sabon ist nach wie vor ein echter „Bestseller”.
Zu seinem 100. Geburtstag widmet Linotype Jan Tschichold ein Review auf sein Leben und Wirken.


Kindheit als Sohn eines Schriftmeisters
Jan Tschichold wurde am 2. April 1902 in Leipzig als erster Sohn des Schriftmalers Franz Tschichold und seiner Frau Maria, geborene Zapff, geboren. Der Beruf des Vaters machte ihn von Kind auf mit vielen Formen gemalter Schrift bekannt. Er mußte oft seinem Vater helfen und erlernte nebenbei die Schriftmalerei, ohne aber diesen Beruf später ins Auge zu fassen. Er wollte Kunstmaler werden. Seine Eltern sahen dies als wirtschaftlich unsicher an. Als Kompromiß sollte er Zeichenlehrer werden. Nach Beendigung der Schulzeit bezog der erst vierzehnjährige Tschichold das Lehrerseminar Grimma, in der Nähe der Stadt Leipzig.

Ein wichtiges Erlebnis war für ihn die Weltausstellung für Buchwerbe und Grafik 1914 in Leipzig. Er studierte in seiner Freizeit die Bücher von Edward Johnston (Schreibschrift, Zierschrift und angewandte Schrift) und Rudolf von Larisch (Unterricht in ornamentaler Schrift) und schrieb vieles mit der Feder kalligrafisch ab. Schon zu dieser Zeit begann Tschichold, sich für alte Schriftschnitte zu interessieren. Ein aus dieser Zeit erhaltenes Blatt zeigt das große und kleine Alphabet einer Kursivschrift, vielleicht Granjons Kursiv. Er entnahm diese nur teilweise beendeten Buchstaben einem alten Werk, wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert. Für einen Anfänger von sechzehn Jahren ist es eine bemerkenswerte Arbeit.

Nach drei Jahren brach er das Lehrerseminar ab, da er erkannte, daß er lieber Schriftzeichner werden wollte und besuchte die Akademie für grafische Künste in Leipzig.

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