Arne Freytag

ArneFreytag

Interview mit Arne Freytag

Wie entdeckten Sie Ihre Leidenschaft für Schriftdesign?
Ich habe mich erst während des Graphik Design-Studiums für Type-Design interessiert. Die feinen Unterschiede und Wirkungen von Schriften habe ich vorher nur unterbewusst wahrgenommen. Ausschlaggebend war damals ein Plakat von André Baldinger für das „Atelier National de Création Typographique“. Wo man so etwas lernen kann, wollte ich auch hin.

Wie viele Schriften haben Sie bis jetzt entworfen?
Veröffentlicht nur eine Schriftfamilie.

Ist Schriftdesign Ihre Hauptbeschäftigung? Welchen Beruf üben Sie neben dem Schriftdesign aus?
Nein, nicht hauptsächlich. Obwohl das nicht immer einfach zu trennen ist. Neben Type-Design bin ich freiberuflicher Designer und auch Dozent.

Was inspirierte Sie zum Entwurf der Linotype Freytag?
Auch hier ein Plakat („bauhaus dessau“ von Franz Ehrlich, 1929). Dessen halbrunden, geometrisch-konstruierten Buchstabenformen gefielen mir in ihrer Wirkung so gut, dass ich daraus eine Schrift gestalten wollte. Aber keine Reproduktion, denn dazu wirkte die Schrift zu logisch-konstruiert, ohne Bezug zur handschriftlichen Herkunft, bzw. hatte sie auch technische Mängel. Mein Ziel war die Entwicklung einer neuen Schrift, die zwar konstruiert wirkt, aber dennoch allen Anforderungen einer Schrift des 21. Jahrhunderts entspricht. Auch die Versuche zur Zeit der „Elementaren Typografie“ mit dem „Universalraster“ als Proportionsschlüssel zur Entwicklung einer Einheitsschrift haben mich beeinflusst.

Haben Sie sich bei dem Entwurf der Linotype Freytag von anderen Schriften beeinflussen lassen?
Joost Schmidt, Alfred Lakheit und Herbert Bayer.

Welche Techniken nutzten Sie bei der Realisierung von Linotype Freytag und wie gestaltete sich der Design-Prozess?
Zunächst Entwicklung eines Rasterschemas und Zeichnen von Buchstabenvarianten per Hand anhand der Rastervorlage. Im zweiten Schritt die komplette digitale Überarbeitung, sozusagen die Verwandlung in eine zeitgemäße Schriftype, die alle technischen und optischen Anforderungen einer modernen Linear Antiqua erfüllt.

Welche war die größte Herausforderung, mit der Sie sich bei der Gestaltung Ihrer Schrift Linotype Freytag konfrontieren mussten?
Eigentlich das „sehen lernen“.

Wie würden Sie den Stil Ihrer Schrift Linotype Freytag beschreiben?
Schlank, aufrecht, konstruiert, stilbewusst, modern, rational, logisch, 20er Jahre, rund, elegant, sachlich, mechanisch, extravagant.

Gibt es etwas, das Sie unterstreichen oder der Grafiker-Community über Ihre Schrift sagen möchten?
In den ersten Skizzen ging es nur um das Variieren mit den geometrischen Formen aus dem Grundschema und damit einer konstruiert wirkenden Schrift. Erst im zweiten Schritt wurden optische Scheinwirkungen reguliert. So sind z.B. die halbrunden Senkrechten von z. B. „O“, „D“, „G“ … kaum sichtbar, aber leicht nach außen gewölbt um die Binnenform offen zu halten. Das kleine „a“ passt auch nicht in die Rasterlogik, wirkt aber standfester. Ziel war es, jeden Buchstaben seinen optischen Anforderungen entsprechend individuell zu gestalten und zugleich ein geschlossenes Ganzes mit einem konstruiert wirkenden Charakter zu schaffen.

Für welche Anwendungen würden Sie Linotype Freytag empfehlen?
Ideal für Plakate, Logos und Magazine. Die Ziffern gefallen mir sehr gut, ideal für Rückennummern auf Fußballtrikots.

Welche sind die einzigartigen Details, die die Schrift Linotype Freytag Ihrer Meinung nach charakterisieren?
Wechselformen zwischen rund und halbrund, schmale aufrechte Schrift. Auffällig das kleine, symmetrische „y“.

Aus welchem Grund haben Sie der Schrift diesen Namen gegeben und was bedeutet er?
Ist mein Nachname, in dem das „y“ enthalten ist.

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