Kimya Gandhi

Kimya Gandhi

Interview mit Kimya Gandhi

Wie hast Du Deine Leidenschaft für Schriftdesign entdeckt?
Während der Grundschulzeit hatte ich Spaß daran, meinen Namen in verschiedenen Schriften auf die Rückseiten meiner Hefte zu kritzeln. Aber auch später, als ich Grafik studierte, interessierte ich mich stets für Bücher über Typografie und stöberte gern in alten Buchläden. Seitdem ist meine Leidenschaft für Buchstaben kontinuierlich gewachsen. Während meines Aufbaustudiums am IDC des IIT Bombay wurde mir dann klar, wie groß mein Interesse an Schrift-Design wirklich war und so beschloss ich, dem auch beruflich nachzugehen. Im Sommer 2012 absolvierte ich den Intensivkurs TDi (Type Design Intensive) an der Universität Reading, was mein Interesse für Schriftdesign und Schriftforschung noch weiter steigerte.

Ist Schriftdesign Deine Hauptbeschäftigung? Welchen Beruf übst Du neben dem Schriftdesign aus?
Ich arbeite als freischaffende Schriftdesignerin in Mumbai. An Schriftdesign-Projekten arbeite ich am liebsten. Dank meines Aufbaustudiums bin ich aber auch in der Lage, verschiedene andere Projekte im Bereich des Grafik- und Publikations-Designs zu realisieren. Außerdem unterrichte ich als Gastdozentin am NIFT in Mumbai, der Universität, an der ich selbst meinen Abschluss erlangt habe.

…Die größte Herausforderung beim Entwurf der Devanagari-Variante für DIN Next waren die Eigenheiten der Schriften lateinischen Ursprungs‚ die von jenen der Devanagari-Schriften völlig verschieden sind …

Welche besonderen Herausforderungen bringt es mit sich, für eine bereits bestehende Schriftfamilie wie DIN Next zusätzliche Designs zu gestalten?
Die größte Herausforderung beim Entwurf der Devanagari-Variante für DIN Next™ waren die Eigenheiten der Schriften lateinischen Ursprungs, die von jenen der Devanagari-Schriften völlig verschieden sind. DIN Next entstand nach dem deutschen Industriestandard DIN 1451, ist monolinear und geometrisch. Da die Devanagari ursprünglich mit einer Rohrfeder geschrieben wurde, weist sie einen kantigen Schriftzug auf. Die Details der Devanagari zu vereinfachen, ohne ihre Charaktermerkmale zu verlieren, war im Designprozess eine der schwierigsten Aufgaben. Ich habe versucht, die Eigenschaften der DIN Next nicht einfach nachzuahmen oder der Devanagari aufzuzwingen, sondern das Typische der Devanagari zu erhalten und so eine Variante zu schaffen, die wesentliche Züge mit der lateinischen Schrift teilt und mit dieser in der Schriftfamilie harmonisch zusammenwirkt.

Würdest Du DIN Next mit anderen Schriften kombinieren, wenn ja, mit welchen?
Da die Devanagari als Variante der DIN Next geschaffen wurde, denke ich, dass sie am besten zur lateinischen Schrift dieser Familie passt. Dennoch lassen die Devanagari-Versionen der Familie Raum für Experimente. Die stärkeren Schnitte der DIN Next Devanagari könnte ich mir in Kombination mit allen traditionellen bzw. modularen Devanagari-Schriften vorstellen.

… Mir persönlich gefallen Schriften‚ die mit viel Liebe zum Detail entworfen wurden und die Ästhetik und Funktion effizient vereinen …

Was macht für Dich eine gute und was eine schlechte Schrift aus?
Es gibt eine Redensart in Sanskrit, die übersetzt bedeutet: Aus dem Formlosen entsteht Form. Das heißt, Form wird nach ihrer Funktion oder ihrem Konzept bestimmt. Gut oder schlecht sind relative Begriffe. Ich würde sagen, dass das Urteil über eine Schrift von vielen Faktoren abhängig ist. Eine gute Schrift wird ihrem Konzept gerecht und funktioniert in dem Szenario, für das sie geschaffen wurde. Mir persönlich gefallen Schriften, die mit viel Liebe zum Detail entworfen wurden und die Ästhetik und Funktion effizient vereinen.

… Ich mag es‚ an verschiedenen Schriften zu arbeiten und alles über ihre Geschichte‚ über verschiedene Schriftsysteme und Formen zu lernen …

Was gefällt Dir an der Arbeit, Schriften zu designen? Gibt es auch etwas, was Du während des Entstehungsprozesses eher ungern machst?
Beim Entwerfen von Schriften gefällt mir besonders der Prozess, die Konstruktion eines einzelnen Buchstabens zu verstehen, um nachfolgend dann den gesamten Zeichensatz aufzubauen. Der Lernprozess besteht darin, all die feinen Details zu erfassen, die die Schrift als Ganzes effizient werden lassen. Ich mag es, an verschiedenen Schriften zu arbeiten und alles über ihre Geschichte, über verschiedene Schriftsysteme und Formen zu lernen. Eigentlich gibt es in dem gesamten Designprozess nichts, was ich nicht mag.

Wie lange dauert es in der Regel, bis Du eine Schrift fertiggestellt hast? Oder gibt es keinen festgelegten Zeitrahmen?
Die Zeit, die ein Schriftprojekt beansprucht, ist von vielen Faktoren abhängig: von der Schriftart, der Größe des Zeichensatzes, der Anzahl der zu realisierenden Schritte … all dies wirkt sich auf den Arbeitsplan aus. Ein kleinerer Zeichensatz einer bekannten Schrift kann in wenigen Wochen fertig sein, während größere Zeichensätze mit vielen Schnitten viele Monate beanspruchen können.

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