Andy Benedek

Andy Benedek erstellte 2012 zusammen mit Alan Blackman die Schrift Say Cheese, eine Kleinbuchstabenschrift, die fast ausschließlich aus lächelnden Zeichen besteht.

Interview mit Andy Benedek

Wie entdeckten Sie Ihre Leidenschaft für Schriftdesign?
Ich absolvierte ein Studium in Metallurgie. Nach meinem Hochschulabschluss und meiner Promotion arbeitete ich viele Jahre lang in der Forschung und Produktion dieser Branche. 1984 kaufte ich meinen ersten Mac, das 128K-Modell, das allererste, das Apple auf den Markt gebracht hatte. Als Adobe Illustrator erschien, kaufte ich eine Kopie. Das Zeichnen von Bézier-Kurven war mit Illustrator sehr einfach und so kam es, dass ich begann, Buchstaben zu zeichnen, weil sie meine im technischen Zeichenbüro erlernten Fertigkeiten mit meiner schlummernden Leidenschaft dafür in sich vereinten.
Die Leichtigkeit und die Freude am Zeichnen entsprangen meiner Bewunderung für Buchstaben, die ich einmal in einen Grabstein graviert auf einem Friedhof in der Nähe des Hauses meiner Großmutter gesehen hatte. 1986 kaufte ich die erste Version von Fontographer und entwarf weitere Schriften, nur zu meinem eigenen Spaß. Zu dieser Zeit arbeitete ich als technischer Leiter für ein Metallurgieunternehmen für Edelmetalle. Innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren wurde meine Leidenschaft für den Entwurf von Schriften jedoch immer größer, sodass ich den großen Schritt wagte, meine sichere Position bei Johnson Matthey aufgab und begann, freischaffend zu arbeiten. Über meinen Steuerberater lernte ich zufällig einen Schriftdesigner kennen, der in der Nähe wohnte, und bald darauf begann ich, in dessen Atelier zu arbeiten.
Wir arbeiteten zwei Jahre lang zusammen. Ich lernte von ihm, wie man Buchstaben zeichnet, und er von mir den Umgang mit Computern. Zu dieser Zeit hatten Design-Ateliers gerade damit begonnen, zu erkennen, welch wichtige Rolle Macintosh für sie spielen könnte. Ich gehörte zu den Wenigen, die seinerzeit sowohl von Computern als auch von Design etwas verstanden, und daher waren meine Arbeiten begehrt.
Einige Jahre später (1996) hatte ich das große Glück, einen Platz in dem von Monotype gesponserten Kurs „Letterforms“ an der Reading University zu erhalten. Dort lernte ich den Kursleiter Michael Harvey kennen. Er war mir auch vorher schon bekannt, ich hatte ihn auf einigen Konferenzen von Monotype gesehen. Nach Abschluss des Kurses fragte mich Michael, ob ich Lust hätte, in Kooperation mit ihm Schriften zu entwerfen. Ich fühlte mich unglaublich geschmeichelt, dachte zunächst aber nicht weiter darüber nach, bis er mich nach etwa neun Monaten erneut fragte. So entstand Fine Fonts und seitdem entwerfen Michael und ich Schriften mit der größten Leidenschaft. Bis jetzt haben wir rund 25 Schriften entworfen.

Wie viele Schriften haben Sie bis jetzt entworfen?
So um die 100, hauptsächlich individuelle Auftragsschriften und viele in Kooperation mit anderen für Unternehmen und Markenzeichen. Einige Beispiele sind das Logo und die Schrift für UMBRO sowie Schriftfamilien für die Supermarktkette Sainsbury’s, Lloyds Bank, Danisco, United Distiller’s Co Ltd., Mowlem, Marks and Spencer, Stratford Council, Royal Academy of Arts, Royal Free Hospital, Liptons, Hampton Court, Linklater & Paynes, Monoprix, Waitrose, John Lewis …

Ist Schriftdesign Ihre Hauptbeschäftigung? Welchen Beruf üben Sie neben dem Schriftdesign aus?
Seit 1988 verdiene ich mein Brot mit der Entwicklung von Schriften und dem Zeichnen von Handschriften, hauptsächlich für Design-Berater in London. Von 1990 bis 2010 war ich auch als Publizist tätig und schrieb für verschiedene Zeitschriften über Macintosh und Software für Design-Ateliers.

Was inspirierte Sie zum Entwurf dieser Schrift?
Say Cheese™ entspringt einer Idee von Alan Blackman. Er entwarf die Buchstaben im Verlauf einiger Jahre und kam dann vor etwa fünf Jahren zu mir, um sich in der Schriftgestaltung unterrichten zu lassen. Ich brachte ihm bei, wie man Buchstabenumrisse in Adobe Illustrator zeichnet und mit diesem Wissen entwarf er einen Basiszeichensatz. Etwas später konvertierte ich seine Buchstaben in Fontographer und erstellte die Grundversion der Schrift. Diese sendete er an Linotype. Zunächst kam kaum eine Reaktion. Vor etwa zwei Monaten erhielt Alan dann eine E-Mail von Linotype, in der ihm mitgeteilt wurde, dass „Say Cheese“ nicht herausgegeben werden kann, weil der Zeichensatz nicht vollständig ist. Alan wendete sich an mich und ich bot ihm an, ihm unter seiner Anleitung bei der Vervollständigung seiner Schrift zu helfen. Mein Beitrag zu Say Cheese bestand darin, die verbleibenden Buchstaben zu gestalten, die erforderlich waren, um einen vollständigen Zeichensatz im Stil der von Alan bereits entworfenen Schrift zu erstellen.

Haben Sie sich bei dem Entwurf von anderen Schriften beeinflussen lassen?
Der einzige Einfluss war der Stil der Buchstaben, die Alan bereits entworfen hatte.

Welche Techniken nutzten Sie bei der Realisierung Ihrer Schrift und wie gestaltete sich der Design-Prozess?
In Fontlab nutzte ich Zeichen und Zeichenkomponenten als Basis für die neuen Buchstaben. Ich veränderte die Bézier-Umrisse auf dem Bildschirm, bis die neuen Zeichenformen zufriedenstellend waren. Die neuen Zeichen schickte ich Alan zur Ansicht und korrigierte sie, falls erforderlich. Hierbei gab es gelegentlich kleine Meinungsverschiedenheiten und wenn ich E-Mails mit dem Betreff „Nur ein allerletzter kleiner Schliff“ erhielt, antwortete ich „Aaaaaaaaaaaaahhhhh!“

Welche war die größte Herausforderung, mit der Sie sich bei der Gestaltung Ihrer Schrift konfrontieren mussten?
Alans gelegentlich regressiven Schliffen an Buchstaben zu widerstehen, nachdem sie meiner Meinung nach längst fertig waren. Say Cheese war eine wirklich schwere Geburt. Ich glaube, insgesamt hat es rund 15 Jahre gedauert. Ich weiß nicht, wie viele Helfer auf dem Weg unter seinem Schwert gefallen sind, aber es müssen einige gewesen sein. Der Gedanke, mir selbst den Bauch aufschlitzen zu müssen, wenn mir das Unterfangen nicht gelänge, reichte allerdings aus, um nicht ebenso zu enden.

Wie würden Sie den Stil Ihrer Schrift beschreiben?
Der Look und die Assoziationen, die eine Schrift hervorruft, liegen im Auge und in der Hand des Betrachters. Auf mich wirkt sie von Natur aus glücklich, mit einem Touch Pathos. Ich denke, die Leute werden diese Schrift lieben oder hassen. Wer den ihr innewohnenden Optimismus, ihre Frechheit und ihre Vitalität nicht versteht, wird sie hassen. Ich liebe sie. Und sie konnte einfach nur von Alan Blackman stammen, der zweifellos ein Genie ist.

Für welche Anwendungen (Poster, Text, Zeitungen, Werbung usw.) würden Sie Ihre Schrift empfehlen?
Say Cheese ist eine Titelschrift. Aber so sicher wie das Amen in der Kirche wird es Leute geben, die sie für Texte verwenden. Sie kennen diese Menschen – sie setzen Überschriften und Text in Großbuchstaben von Zapf Chancery und denken, damit das Nonplusultra für Stil und Mode zu sein. Say Cheese könnte auch von Spionen verwendet werden. Mit dem unlesbaren Text könnten geheime Botschaften vom Schlachtfeld an die Geheimdienste in aller Welt gesendet werden. Oder die EU könnte verfügen, dass alle Verlautbarungen und Texte über den Euro in dieser Schrift gesetzt werden, denn im Moment gibt es darüber ja nicht viel zu lachen!

Welche sind die einzigartigen Details, die diese Schrift Ihrer Meinung nach charakterisieren?
Meinen Sie das ernst? Sehen Sie sich die Schrift doch an. Sie ist einfach einzigartig.

Aus welchem Grund haben Sie der Schrift diesen Namen gegeben und was bedeutet er?
Ich glaube, der Name stammt von Alan Blackman. Für Englischsprechende bedarf „Say Cheese” keiner Erklärung. Für alle anderen, die es nicht wissen: Es ist die Floskel „Bitte lächeln“, die Fotografen vor der Aufnahme sagen. Welcher Name könnte sich besser eignen?

Gibt es noch etwas, das Sie über Ihre Arbeit gern sagen würden?
Ich bin sehr stolz darauf, die Gelegenheit bekommen zu haben, mit Alan Blackman zusammenzuarbeiten. Abgesehen von seinen „Nur ein allerletzter kleiner Schliff”-E-Mails war es ein uneingeschränktes Vergnügen.

Verwandte Produkte