Ein Interview mit Anders Francker

Der dänische Ingenieur und Schrift-Designer Anders Francker entwickelte bereits in der Kindheit sein Interesse für Buchstaben und Zahlen und hatte seit jeher die Ambition, eine eigene Schrift zu entwerfen. Er hat nie eine konventionelle Design-Ausbildung genossen, dank seiner Erfahrung im Malen und Zeichnen sowie seinem mathematisches Fachwissen konnte er dennoch mit der Schriftfamilie Francker als Schrift-Designer debütieren.
Anders Francker besuchte uns jüngst bei Linotype und so bot sich die Gelegenheit, ihm einige Fragen über sein Leben und seine Arbeit zu stellen. Hier lesen Sie die spannenden Antworten dieses ungewöhnlichen Schrift-Designers.

Warum haben Sie beim Design Ihrer Schriftfamilie Francker so einen modernistischen, technisch wirkenden Ansatz verwendet?
Design und Technologie zählen zu meinen Hauptinteressen und ich fand, dass in der Welt der Typografie noch eine gute Schrift für moderne, technische Projekte fehlte, die Kraft und dennoch einen Hauch Menschlichkeit ausstrahlt. Und ich glaube, mit Francker ist mir dies gelungen.

Während des Design-Prozesses habe ich etwas Mathematik verwendet‚ um die richtigen Proportionen zu finden ...

Francker ist einerseits ultramodern, dank ihrer abgerundeten Formen wirkt sie jedoch nicht zu streng und vermittelt einen gewissen Eindruck von Weichheit. Haben Sie sich hierfür an der Superellipse inspiriert, die als eine Art Kompromiss zwischen Ellipse und Rechteck bezeichnet werden kann?
Ja, die Buchstabenformen inspirieren sich in der Tat an der Superellipse, dennoch sind die Zeichen nicht rein konstruiert. Während des Design-Prozesses habe ich etwas Mathematik verwendet, um die richtigen Proportionen zu finden, insbesondere um sicherzustellen, dass die verjüngten Abschlüsse, die ein besonders charakteristisches Merkmal von Francker sind, in der gesamten Schriftfamilie den gleichen Design-Regeln folgen, unabhängig davon, ob sie lang, kurz, dick oder dünn sind. Andererseits kann eine wirklich gute Schrift nicht auf eine Formel reduziert werden. Der Designer muss auch viel Sinn für Künstlerisches haben, auf den er für die Elemente zurückgreifen kann, die nicht berechnet werden können.

Für welche Art von Anwendungen ist Francker Ihrer Ansicht nach geeignet?
Für alles, was in die Kategorie „Modern und technisch und gleichzeitig freundlich und soft“ fällt. Sie könnte von Mobiltelefon- und Computerherstellern, Fluggesellschaften, Fahrzeugherstellern sowie für viele andere Anwendungen wie Werbung, Leitsysteme oder für technische Produkte eingesetzt werden. Der besonders große Zeichensatz umfasst alle Komponenten der gesamteuropäischen Spezifikation W1G von Linotype sowie 18 Schriftstärken, davon neun mit Standardbreite und neun Schmale. Damit eignet er sich für diverse Anwendungen in vielen verschiedenen Sprachen.

Ich wollte eine Schriftfamilie gestalten‚ die sauber‚ aber nicht steril wirkt ...

Was war für Sie die größte Herausforderung bei der Gestaltung einer so umfangreichen, sorgfältig entworfenen Schriftfamilie?
Ich glaube, die größte Herausforderung war es, zu erreichen, dass das, was ich auf dem Bildschirm oder gedruckt auf Papier sah, exakt mit der Idee in meinem Kopf übereinstimmte. Einige Zeichen waren schwieriger zu realisieren als andere, aber ich gab nicht auf, bis ich ganz zufrieden war! Ich wollte eine Schriftfamilie gestalten, die sauber, aber nicht steril wirkt, auf der Grundlage eines kohärenten Konzepts, bei dem jedes einzelne Zeichen mit allen anderen perfekt harmoniert.

Mit Ihrer Arbeit verkörpern Sie den erfolgreichen Autodidakt. Glauben Sie, dass es einen effektiven Vorteil bringt, den Design-Prozess frei von vordefinierten Standpunkten und Regeln anzugehen?
Zweifellos! Schrift-Designer mit einem anderen Bildungshintergrund, wie zum Beispiel Architekten, Ingenieure und andere, die daran gewöhnt sind, mit Zeichnungen zu arbeiten, können viele neue, interessante Ideen in das Schrift-Design einbringen, weil sie die Dinge möglicherweise aus einer anderen Perspektive sehen. Natürlich gibt es einige Grundregeln, die immer beachtet werden müssen, wenn man eine erfolgreiche, ansprechende Schrift entwerfen möchte. Zum Beispiel: Das große „O“ muss etwas höher sein als das „H“, um optisch gleich hoch zu wirken, und der Freiraum in und zwischen den Zeichen ist genauso wichtig wie die schwarzen Striche selbst.

Gibt es beim Schrift-Design etwas, das Sie vermeiden würden, wenn Sie könnten?
Mit der modernen Software für Schrift-Design haben es heutige Designer wesentlich leichter als in der Vergangenheit. Dennoch, auch der Computer hat seine Grenzen. Beispielsweise ist es noch nicht möglich, aus zwei extremen Schriftstärken eine dritte mittlerer Stärke zu schaffen, ohne im Anschluss zahlreiche manuelle Anpassungen an den Außenkonturen vornehmen zu müssen. All diese Korrekturarbeit würde ich gern vermeiden. Ebenfalls langwierig und nicht gerade so interessant wie das Entwerfen der Schrift ist die Definition der Zeichenabstände und Unterschneidungen. Auch hier kann man nicht einfach eine Taste drücken und alles wird perfekt und automatisch erledigt. Bei der Schriftfamilie Francker sind alle Zeichenabstände und Unterschneidungen nach Augenmaß und von Hand gestaltet.

... ich bewundere im allgemeinen Designer‚ denen es gelingt‚ etwas zeitlos Modernes zu schaffen‚ etwas‚ das auf Formen beruht‚ die nie altmodisch werden.

Gibt es für Sie kreative Vorbilder oder Modelle? Und, wenn ja, was fasziniert Sie insbesondere an dieser Person oder diesen Personen?
Ohne bestimmte Namen zu nennen, bewundere ich im allgemeinen Designer, denen es gelingt, etwas zeitlos Modernes zu schaffen, etwas, das auf Formen beruht, die nie altmodisch werden. Meine Inspiration ist die Vielzahl miteinander kombinierter Inputs, die ich über die Jahre erhalten habe. Wenn ich etwas sehe, das mir gefällt, sei es eine Schrift, ein Gebäude, ein Auto oder ein Möbelstück, versuche ich, nicht nur zu denken „das ist schön“ sondern mich zu fragen, „warum ist das schön?“. Manchmal erkenne ich ein Muster, das in vielen Fällen mathematisch beschrieben werden kann, und aus all diesem kombinierten Wissen gestalte ich meine Schrift oder was auch immer.

Planen Sie derzeit typografische Projekte für die Zukunft?
In der Tat habe ich eine Idee für eine neue Schriftfamilie. Auch hierbei handelt es sich um eine serifenlose Schrift, mit einem runderen, klassischeren Look als Francker, aber mindestens ebenso interessant. Aber wir werden sehen. Im Sommer 2010 habe ich geheiratet und auch meiner Frau möchte ich etwas Zeit widmen!

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