Stempel Elan

Stempel Elan – Revival und Neuentdeckung


von Frank Grießhammer, dem Designer der Stempel Elan


Stempel Elan Anwendungsbeispiel

Bei einem Besuch im Klingspor Museum in Offenbach lohnt sich stets ein Blick in die Museumsbücherei, deren Sammlung an Schriftmustern beeindruckend ist. Die Gestaltung und Sprache dieser Beispiele ist einzigartig; unverkennbar aus dem letzten Jahrhundert – dennoch ansprechend und frisch. Leider ist es gleichzeitig erschreckend zu sehen, wie viele exzellente Schriftentwürfe niemals die Hürde ins digitale Zeitalter genommen haben. Eine Neuauflage wäre wohl nicht lukrativ genug, zu unzeitgemäß oder zu arbeitsintensiv gewesen. So schlummern im Archiv noch einige Schätze, welche auf eine Neuentdeckung warten.
Stempel Elan Anwendungsbeispiel
Ein solches Beispiel ist die „Elan”, 1937 von Hans Möhring für die D. Stempel AG in Frankfurt entworfen. Sie ist laut original-Schriftmuster „Als Auszeichnungsschrift am besten zu allen Groteskschriften, zur Memphis (Egyptienne) und sonstigen Antiquaschriften” verwendbar; kurz gesagt: sie eignet sich für jeden Zweck.
Stempel Elan Anwendungsbeispiel
Stempel Elan™ imitiert eine typische Werbeschrift der 30er Jahre. Ihre Formen entstammen dem Schreiben mit der Schnurzugfeder; die Strichstärke ist daher gleichbleibend; der Kontrast niedrig. „Durch die gleichmäßige Strichstärke und ununterbrochene Linienführung reihen sich die bewegten Einzelformen zu ruhigen, geschlossenen Zeilenbildern.” Man sieht ihr an, dass sie aus einem anderen Jahrhundert stammt; trotzdem erscheint die Elan auch heute frisch und interessant, da viele Formen so in keiner anderen Schrift zu finden sind. Viele Lösungen sind unverkennbar deutsch, doch nicht in einem negativen Sinne; im Gegenteil: durch die bewusste Konzentration auf diese speziellen Buchstabenformen behält die Schrift ihren unverkennbaren Charakter.

Ich bin fasziniert von Schriften, welche vorgeben, in Wirklichkeit etwas anderes zu sein. Eigentlich ist es ja absurd, mit großem Aufwand und technischer Raffinesse eine Schriftart zu schneiden, welche wiederum so aussehen soll, als wäre sie schnell „hingeschrieben”, wie es im Schriftmuster heißt. Dennoch ist das Gebiet der Script-Schriften bis heute interessant, weil die Grenzen des Machbaren nicht klar definiert sind, und somit immer neue Interpretationen möglich.
Stempel Elan Anwendungsbeispiel
Immer wieder, wenn ich die Elan in alten Drucksachen finde, bin ich von ihrer Lässigkeit beeindruckt. Sie passt meiner Meinung nach als Auszeichnungsschrift hervorragend in ein lockeres Layout, und wird den verschiedensten Anlässen gerecht.
Für mich war daher klar, dass diese Schrift digital weiterleben muss. In einem Zeitraum von zwei Jahren ist daher eine Schrift entstanden, welche im Vergleich zur Bleisatz-Elan nicht nur einen weit größeren Zeichenvorrat besitzt, sondern auch viele Script-Raffinessen per OpenType-Features bereithält.
Stempel Elan Anwendungsbeispiel
Anstriche der Kleinbuchstaben können mit „Kontextbedingten Varianten”, aktiviert werden; neben den Standard-Ligaturen fi und fl gibt es weitere Alternativen, wie z.B. tz oder ll; welche über „Bedingte Ligaturen” erreichbar sind. Auch das Erstellen beliebiger Bruchzahlen ist dank des Brüche-Feature kein Problem.
Ligaturen
Im Bleisatz war es unmöglich, wirklich verbundene Wortbilder zu schaffen; technikbedingt sind an Buchstabenübergängen immer kleine Stege zu sehen; wo die Bleilettern „auf Stoß” gesetzt sind (siehe erste Abbildung auf der nächsten Seite). Dieses Problem ist in einer digitalen Schrift nicht mehr vorhanden, da die einzelnen Buchstaben nun tatsächlich überlappen können.
Neben den gängigen Währungszeichen wie Yen oder Euro enthält die Schrift nun natürlich auch das alte deutsche Pfennigzeichen (U+20B0), um auch für den Einsatz in einem historischen Kontext gewappnet zu sein.
Währungszeichen
Zu guter Letzt hat die Schrift sogar einen neuen Namen bekommen: „Stempel Elan”. Dies als Verweis auf die D. Stempel AG, wo die Schrift 1937 erschien, sowie als Unterscheidungsmerkmal zur ITC Elan.
Ich hoffe, dass ich dem ursprünglichen Gestalter Hans Möhring mit diesem Revival eine Ehre erweisen kann, und wünsche der Schrift, dass sie auch in digitaler Form viele Anhänger findet.

July 2010
Frank Grießhammer

* Alle Texte und Abbildungen entstammen dem Schriftmuster „Balzac Bazar Elan Kompakt” der D. Stempel AG aus den 1930er Jahren.

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