Renner Antiqua

Renner Antiqua – die Auferstehung einer Serifenschrift des Designers von Futura



Renner Antiqua

Einleitung



Renner Antiqua™ von Linotype ist das von Patrick Strietzel realisierte Comeback einer früheren Bleisatzschrift der D. Stempel AG. Die ursprüngliche Renner Antiqua stammt von Paul Renner (1878–1956).

Paul Renner
Paul Renner war ein deutscher Künstler, Autor, Lehrer und Drucker. Bekannt wurde er als Designer der Schrift Futura®, die im Jahr 1928 erstmalig von der Bauer’schen Gießerei veröffentlicht wurde und bis heute ein Bestseller ist.
Original Renner Antiqua
Scan der Original-Renner Antiqua aus dem Katalog der D. Stempel AG
Antiqua?
Der Begriff Antiqua bezeichnet Serifen- und meistens Mediävalschriften (Garamond-Antiqua, Palatino-Antiqua, usw.). Antiqua entspricht genau genommen dem Zusatz „roman” in der englischsprachigen Typografie, um zwischen vertikalen und kursiven Schriften innerhalb einer Familie zu unterscheiden.

Historische Grundlagen
Das von breiter Handschrift und dem Schreibstil des Designers selbst beeinflusste Originalkonzept von Paul Renner umfasste die Schnitte Regular, Italic, Bold und Bold Condensed. Allerdings wurden nur die Regular- und Italic-Version produziert und verkauft.
Die römischen Großbuchstaben haben einen „modernen“ Stil wie bei Schriften, die zwischen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts verbreitet waren. Obwohl sie in Gestaltung und Struktur von den Kleinbuchstaben abweichen, lassen sie sich doch gut kombinieren. Denn genau dies ist die Vielfalt, die man von einem Meister wie Renner erwarten kann. Auch seine Futura gestaltete Renner mit Großbuchstaben, die an antike römische Versalien erinnern, während die Kleinbuchstaben geometrischer aufgebaut sind und nicht auf historischen Vorlagen basieren.
Christopher Burke schreibt in seiner 1998 veröffentlichten Monographie über Paul Renner, dass Renner Antiqua möglicherweise auch durch den Stil des holländischen Stempelschneiders Johann Michael Fleischmann aus dem 18. Jahrhundert beeinflußt wurde.

Die Italic-Version von Renner Antiqua nannte sich ursprünglich Renner Kursiv, wie es für deutsche Schriften zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht untypisch war.
Scan der Original-Renner Antiqua aus dem Katalog der
D. Stempel AG
Der gleiche Text, gesetzt mit der digitalen Renner Antiqua
Im Jahr 1940 passte Stempel die im Vorjahr für den Handsatz geschaffene Schrift für den Einsatz auf der Linotype-Maschine an. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten einige deutsche Zeitungsdruckereien noch immer Renner Antiqua-Matrizen.
Leider wurde der Erfolg des Designs von dem Veröffentlichungsdatum und den Ereignissen in Deutschland erheblich gedämpft.
Scan eines Probedrucks mit verschiedenen Schriften der Familie Renner Antiqua aus den Archiven der D. Stempel AG

Die Neuauflage
Die heutige, digitale Renner Antiqua bietet dem Benutzer zwei optische Größen: eine Text- und eine Akzidenzversion. Renner Antiqua Display und Renner Antiqua Display Italic sind für Großformate optimiert. Die Textschriften der Familie (Regular, Italic, Medium, Medium Italic, Demi, Demi Italic, Bold und Bold Italic) wirken am besten im 10-Punkt-Format. Die Neuauflage von Patrick Strietzel bietet dem Benutzer mehr Gewichtungen und Stile als die Originalschrift für den Bleisatz Renner Antiqua. Glücklicherweise ist es uns dennoch gelungen, einige der für damalige Schriften typischen optischen Abweichungen zu erhalten.

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