Renner Antiqua
Die Neugestaltung der Renner Antiqua
Wie wurde die Schrift überarbeitet und für den Digitalsatz des 21. Jahrhunderts aufbereitet? Patrick Striezel erklärt es so:
„‚Ich verstehe nicht, warum diese Schriften bislang noch nicht digitalisiert wurden’, sagte Jovica Veljovic 2004 zu mir. Das Serifendesign von Paul Renner war fast vollständig in Vergessenheit geraten. Renner Antiqua hat einen barocken Touch und zeigt klar den Einfluss, den gotische Schriften in Deutschland noch in den Dreißigerjahren hatten.
„Renner selbst hatte zwei Versionen dieser Schrift entworfen. Die zweite, Matrizen für die Linotype-Maschine, wurde mehrere Jahre nach der ersten veröffentlicht. Obwohl mehr als genug Zeit für Aktualisierungen zur Verfügung stand, war Renner mit seinem Design noch nicht zufrieden. Bei der Überarbeitung wurde ich mit einer großen Herausforderung konfrontiert, nämlich das Originalkonzept von Renner aus den zum Teil widersprüchlichen Entwicklungsstufen der Schriften herauszufiltern.
„Obwohl die Schrift vor der Herstellung von Linotype-Matrizen für den Handsatz bestimmt war, gestaltete Renner sie bereits mit einem Auge auf die Linotype-Maschine.
Dies erforderte die Anpassung einiger traditioneller, ästhetischer Elemente. So unterstütze die Linotype-Maschine zum Beispiel keinerlei Unterschneidung. Die Originalskizzen von Renner lassen eine teilweise geringe Berücksichtigung der von der Maschine implizierten technischen Einschränkungen erkennen, was für die Gestaltung einer guten Schrift unabdinglich ist. Für den erfolgreichen Projektabschluss bedurfte es jedoch auch der konstruktiven Kooperation zwischen Designer und Hersteller.
„‚Ich verstehe nicht, warum diese Schriften bislang noch nicht digitalisiert wurden’, sagte Jovica Veljovic 2004 zu mir. Das Serifendesign von Paul Renner war fast vollständig in Vergessenheit geraten. Renner Antiqua hat einen barocken Touch und zeigt klar den Einfluss, den gotische Schriften in Deutschland noch in den Dreißigerjahren hatten.
„Renner selbst hatte zwei Versionen dieser Schrift entworfen. Die zweite, Matrizen für die Linotype-Maschine, wurde mehrere Jahre nach der ersten veröffentlicht. Obwohl mehr als genug Zeit für Aktualisierungen zur Verfügung stand, war Renner mit seinem Design noch nicht zufrieden. Bei der Überarbeitung wurde ich mit einer großen Herausforderung konfrontiert, nämlich das Originalkonzept von Renner aus den zum Teil widersprüchlichen Entwicklungsstufen der Schriften herauszufiltern.
„Obwohl die Schrift vor der Herstellung von Linotype-Matrizen für den Handsatz bestimmt war, gestaltete Renner sie bereits mit einem Auge auf die Linotype-Maschine.
Dies erforderte die Anpassung einiger traditioneller, ästhetischer Elemente. So unterstütze die Linotype-Maschine zum Beispiel keinerlei Unterschneidung. Die Originalskizzen von Renner lassen eine teilweise geringe Berücksichtigung der von der Maschine implizierten technischen Einschränkungen erkennen, was für die Gestaltung einer guten Schrift unabdinglich ist. Für den erfolgreichen Projektabschluss bedurfte es jedoch auch der konstruktiven Kooperation zwischen Designer und Hersteller.
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| Scan der zwei 1937 entstandenen Entwürfe der Renner Antiqua von Paul Renner |
„Leider war dies bei Renner und Stempel anscheinend nicht der Fall, wie einige zum Teil sehr verärgerte Briefe mit Korrekturaufforderungen belegen, die der Designer an die Typengießerei schrieb.
Das unter diesen Umständen realisierte Produkt war verständlicherweise nicht gerade effizient. Christopher Burke schreibt: ‚Die Verknüpfung handschriftlicher Elemente mit einer angemessenen Serifenform scheint bei der Entwicklung der Schrift ein langwieriger Prozess gewesen zu sein. Möglicherweise war es gerade diese nicht gelöste Unausgeglichenheit, die den Erfolg der Renner Antiqua als gotisches bzw. Antiqua-Experiment von Renner im Vergleich zu Ballade hemmte’ (Paul Renner: The Art of Typography, [1998] Seite 163).
Das unter diesen Umständen realisierte Produkt war verständlicherweise nicht gerade effizient. Christopher Burke schreibt: ‚Die Verknüpfung handschriftlicher Elemente mit einer angemessenen Serifenform scheint bei der Entwicklung der Schrift ein langwieriger Prozess gewesen zu sein. Möglicherweise war es gerade diese nicht gelöste Unausgeglichenheit, die den Erfolg der Renner Antiqua als gotisches bzw. Antiqua-Experiment von Renner im Vergleich zu Ballade hemmte’ (Paul Renner: The Art of Typography, [1998] Seite 163).
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| Die vierte Reihe von oben zeigt die Renner Antiqua. In den Reihen darüber und darunter werden Buchstaben anderer Schriften, die der Renner Antiqua ähnlich sind, in orange hervorgehoben |
„Stilistisch steht die Renner Antiqua zwischen einer gotischen Serifenschrift und einer Barockschrift. Die Buchstabenformen waren in Renners Skizzen bereits maßgeblich entwickelt. Einerseits zeichnete er Elemente, die durch modernere, formellere und allgemein bessere Formen ersetzt werden könnten. Andererseits gab es aber auch reizvolle Details, die für die Produktion von der Schriftgießerei wegrationalisiert wurden.
„Besondere Sorgfalt widmete ich der Neugestaltung der Kursivschrift. Im Vergleich zu der sehr schmalen Antiqua waren Renners Skizzen für die Kursivversion ein wenig zu kompakt, um harmonisch zu wirken oder auch in kleinen Schriftgraden gut lesbar zu sein. Aber auch die Linotype-Matrizen der Kursivschrift, auf denen die geraden und kursiven Buchstaben gleich breit sein mussten, waren nicht besser. Hier erscheint die Kursivversion verzerrt und die Beziehung zu den ursprünglichen, breiten Stiftzeichnungen ging vollständig verloren.
„Wie bei vielen anderen Schriften aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen Renners Skizzen für die fetteren Gewichtungen große formelle Abweichungen von den Regular-Versionen.”
„Besondere Sorgfalt widmete ich der Neugestaltung der Kursivschrift. Im Vergleich zu der sehr schmalen Antiqua waren Renners Skizzen für die Kursivversion ein wenig zu kompakt, um harmonisch zu wirken oder auch in kleinen Schriftgraden gut lesbar zu sein. Aber auch die Linotype-Matrizen der Kursivschrift, auf denen die geraden und kursiven Buchstaben gleich breit sein mussten, waren nicht besser. Hier erscheint die Kursivversion verzerrt und die Beziehung zu den ursprünglichen, breiten Stiftzeichnungen ging vollständig verloren.
„Wie bei vielen anderen Schriften aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen Renners Skizzen für die fetteren Gewichtungen große formelle Abweichungen von den Regular-Versionen.”
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| Links: Scans der Originalzeichnungen von Renner. Mitte: die neue, digitale Renner Antiqua. Rechts: Scans der Bleisatzversion der Renner Antiqua |


