Schriften im Focus, September 2007

 Botanical
Botanical™ ist eine kleine, jedoch variationsreiche Sammlung floraler Abbildungen. Die Piktogramme der Blätter, Bäume und Blumen bilden eine perfekte Verzierung für Einladungen, Karten oder Poster. Sie können auch in interessanter Weise kombiniert und wiederholt dargestellt werden, um einzigartige Umrandungen und Muster zu bilden.
 Burgstaedt Antiqua
Auf den ersten Blick mag die Burgstaedt Antiqua™ wie die Schrift einer Schreibmaschine erscheinen, die an Altersschwäche leidet. Doch bei näherer Betrachtung entpuppt sie sich als das, was sie wirklich ist – eine vollkommen neue Textschrift. Eine Reihe von Merkmalen der Burgstaedt Antiqua und der dazu passenden Kursive verdienen spezielle Erwähnung: Da sind zum einen die Abschlüsse, die sehr unterschiedlich ausfallen. Die Schrift erhält dadurch ein leicht verzittertes Erscheinungsbild. Ein weiteres interessantes Merkmal ist das kleine q, das die Form des großen Bruders übernimmt. Sehen Sie sich am besten unser eigens zu diesem Zweck vorbereitetes PDF-Textmuster an. Dort werden Sie noch eine Menge origineller Details entdecken.
Die Burgstaedt Antiqua Regular und die Burgstaedt Antiqua Italic eignen sich gleichermaßen für den Mengensatz als auch für Headlines. Bei der Verwendung als Lesetextschrift empfehlen wir einen eher größeren Schriftgrad (12 pt oder 14 pt und höher). Der britische Schriftgestalter Richard Yeend entwarf diese Schriftfamilie im Jahr 2002. Beide Schriften sind Teil der Take Type 5-Collection der Linotype GmbH.
 Fluidum
Fluidum wurde 1951 von Aldo Novarese erstellt. Wie schon der Name bereits verrät, ist das Design sehr fließend. Diese kontrastreiche Schreibschrift schlängelt und dreht sich auf der Schreiblinie. Die Schrift ist eine Art Mischung zwischen den kursiven Buchstaben des Giambattista Bodoni und den späteren, schwereren Designs von Aldo Novarese, wie Microgramma™ , Eurostile™ und Sprint™. Fluidum sollte in großen Schriftgrößen zum Einsatz kommen und ist perfekt für Einladungen, Grußkarten und edle Logos.
 Haarlemmer
Haarlemmer™ ist die Neugestaltung einer Schrift von Jan van Krimpen, die niemals produziert wurde und die einen Schritt über wahre Authentizität hinaus geht: man sieht, wie er die Schrift von vornherein gestalten wollte.
Das Original wurde in den späten 1930ern gezeichnet und für die Dutch Society for the Art of Printing of Books erstellt. Mit ihr sollte eine Neuausgabe der Bibel auf einer Monotype Setzmaschine gedruckt werden. Daraus resultierte das folgende Problem: Schriften für Bleisatzmaschinen wie die von Linotype und Monotype mussten innerhalb eines unausgereiften, einfachen Systems mit vorab festgelegten Zeichenbreiten erstellt werden. Jeder Buchstabe musste innerhalb dieses Systems passen, der Abstand wurde durch ein Raster von nur 18 Einheiten bestimmt. Oft wurde den kursiven Buchstaben lediglich die gleiche Breite zugestanden wie den Zeichen aus dem Roman-Schnitt. Van Krimpen war davon überzeugt, dass dies den Designprozess stark einschränkte.
Durch den Einmarsch in Holland im zweiten Weltkrieg geriet die Arbeit an dem Bibelprojekt ins Stocken, und die Original-Haarlemmer erlangte niemals Produktionsreife.
60 Jahre später: Frank E. Blokland von der Dutch Type Library wollte die Original-Haarlemmer neu gestalten, diesmal aber so, wie Van Krimpen es vorhatte. Blokland interpretierte die ursprünglichen Zeichnungen neu und erstellte eine Schrift, die dem anfänglichen Konzept Van Krimpens so weit wie möglich entsprach. Da Van Krimpen als Leitfigur nicht mehr in Frage kam, mussten gründliche Studien seiner früheren Arbeit als Ersatz dienen.
Das Ergebnis ist eine bemerkenswerte Textschriftfamilie mit drei Fetten und dazugehörigen Kursivschnitten sowie einer kompletten Serie von Kapitälchen und Mediävalziffern. Van Krimpen wäre stolz darauf!
ITC Flora
Die ITC Flora® beruht auf dem Gleichstrichprinzip. Ihr Designer Gerard Unger folgte mit dieser fast aufrecht gestellten Kursiven den für Holland typischen Formenprinzipien. Somit weisen alle Großbuchstaben gegenüber den Kleinbuchstaben ein reduziertes Größenverhältnis auf. In den beiden Strichstärken roman und bold eignet sich die ITC Flora für den Satz kleinerer Textpassagen und als abwechslungsreiche Headlineschrift.
 Jeepers
Ein Poster aus dem Jahr 1920, das von dem Berliner Posterkünstler Paul Scheurich für einen deutschen Buchhändler erstellt wurde, inspirierte Nick Curtis zur Schrift ITC Jeepers™. Sie spiegelt die Spontaneität und Verspieltheit der Originalbuchstaben von Scheurich wider und wartet außerdem mit einigen überraschenden Eigenheit auf, zum Beispiel mit dem einem sehr außergewöhnlichen Aufstrich beim kleinen „g”.
Dieses Design, bestehend aus nur einem serifenbetonten Schnitt, hat einen freundlichen Charakter und ist perfekt geeignet für Überschriften und andere Display-Anwendungen.
 Linotype Grassy
Die auffällige und ungewöhnliche Linotype Grassy™ von Inka Menne entstand während ihres Kommunikationsdesignstudiums an der FH Potsdam. Ein Schreibgerät sollte dort im Rahmen eines Projektes entwickelt werden. Inka Menne fertigte eines, daß einen Griffel aus Holz und eine Schreibspitze aus Radiergummi besaß. „Die Schreibspur dieses Stiftes und etwas ‚Puste’ bildeten die Grundlage für die Grassy ... Als ich erfuhr, das die Grassy beim Type Contest gewonnen hatte entschied ich mich, die Grassy in drei Schnitten zur Verfügung zu stellen. So zeichnete und pustete ich einen vollständigen Zeichensatz für jeden Schnitt” berichtet Inka Menne über die Entstehung ihrer Schrift. Schaut man sich das „wild wuchernde” Schriftbild im Ganzen an, erschließt sich auch schnell die Namensgebung. Aus Textblöcken scheinen unzählige Halme zu sprießen, sie zeigen sich grasbedeckt oder eben “grassy”. Die Linotype Grassy ist ein Font der die Blicke auf sich zieht und dem Betrachter mit Sicherheit lange im Gedächtnis bleibt.
 Morocco
Die Morocco™ ist eine Kreation des Schweizer Designers Michael Parson, die durch ihre starken Rundungen auffällt. Viele ihrer Buchstabenformen erinnern an das moderne griechische Alphabet. Fünf der Minuskeln (h, n, s, u, x) weisen Ober- oder Unterlängen auf, die ansonsten nicht üblich sind. Parson führt sein Experiment auch bei den Majuskeln fort: Viele davon versieht er mit Ober- oder Unterlängen-ähnlichen Elementen; andere, namentlich das Q, reichen nur bis zur x-Höhe der Minuskeln. Diese Schrift wurde als eines von zehn typografischen Experimenten von Parson in die Take Type 5-Collection der Linotype GmbH aufgenommen.
 Neo Tech and Neo Sans
Der Agenturkunde wollte eine „ultramoderne” Schrift, „futuristisch, aber ohne Spielereien oder Oberflächlichkeit”, gemäß des vorangegangenen Design-Briefings. Sebastian Lester nahm diesen anspruchsvollen Auftrag an. Bald wurde das Projekt jedoch aufgrund einer bürokratischen Entscheidung eingestellt.
„Ich blieb mit einem Skizzenbuch voller Ideen zurück und dachte, dass es eine Schande wäre, daraus nichts zu machen”, sagte Lester. So entschied er, das Projekt auf eigene Faust fertigzustellen.
Lesters Analyse bestätigte, dass der prinzipielle Bestandteil einer ultramodernen Schrift aus seiner Zeichenstruktur besteht: eine sorgfältig gezeichnete, strichstärkengleiche Form, offene Buchstabenformen und geschmeidige, strenge Kurven. Lester beschloss, diese Eigenschaften weiter auszuführen, um eine Schrift zu konzipieren, welche die Grenze von modern zu futuristisch überschreitet.
Nach etwa einem Jahr der anfänglichen, konzeptionellen Arbeit entstanden zwei hochfunktionelle, vielseitige Schriften. Dies sind Neo® Sans und Neo Tech, und Lester beschreibt diese Entwürfe als „lesbar, ohne neutral zu sein, nuanciert, aber nicht übergenau und ausdrucksvoll, ohne unruhig zu wirken.” Neo Sans sowie die eher minimalistische Neo Tech-Schriftfamilie sind beide in sechs Schnitten erhältlich, von Light bis Ultra. Jeder Schnitt verfügt über eine begleitende Kursive; die Neo Tech bietet außerdem eine Reihe alternativer Zeichen.
Da diese Schrift konzipiert wurde, um heute und auch in der Zukunft modern zu wirken, verkörpern Neo Sans und Neo Tech eine funktionelle und ästhetische Klasse, die ihnen einen Platz in der Liste der Klassiker der Monotype-Schriftenbibliothek zukommen lässt.
 Regatta Condensed
Die Regatta™, eine kräftige schmallaufende Grotesk, wurde von Alan Meeks gestaltet und erschien 1987 bei der ITC. Ihre kräftigen und robusten Figuren machen sie besonders für Überschriften in grossen Schriftgraden geeignet. Auffallend sind ihre karoförmigen i-Punkte, sowie die schrägen An- und Abstriche einiger Figuren. Sie lockern das geschlossene, sehr statisch wirkende Schriftbild der Regatta auf und lassen die Schrift heiter und freundlich erscheinen.
 Stockholm
Stockholm™ ist eine zeitgenössische, geradestehende Schrift, die 1998 von Paul Shaw in Zusammenarbeit mit Garrett Boge entworfen wurde. Ihre starken, verfeinerten Zeichenformen wurden durch die schwedischen Schriften des 20. Jahrhunderts inspiriert. Die Schrift ist gleichermaßen für den Textbereich und für Display-Anwendungen geeignet.
 Tannhaeuser
Die Tannhaeuser™ stammt vom britischen Designer Alan Meeks, eine serifenlose Schrift mit konventionellen Majuskeln und einem sehr ungewöhnlichen Minuskel-Alphabet. Am besten präsentiert sie sich, wenn die Buchstaben sehr eng gesetzt werden, besonders die Minuskeln, die rechts einen Verbindungsstrich aufweisen, um den Eindruck einer Kurrentschrift zu erzeugen.