Schriften im Focus, Juli 2007

Aqua Life™ ist ein Piktogramm-Font von Monotype Design Studio. Es besteht aus 26 dynamisch gezeichneten Bildern von Fischen und anderen Wesen, die im Meer oder im Aquarium zu finden sind. Einige der Fische haben geradezu einen neugierigen Ausdruck! Zu finden sind unter anderem ein Hai, ein Tintenfisch, ein Krake, eine fröhliche Schnecke, ein tauchender Seehund sowie der gute alte Tiefseetaucher und eine Meerjungfrau! Jedes der Symbole kommt am besten in grossen Schriftgrössen zur Geltung. Vielleicht wird eines davon Ihren nächsten Newsletter oder Ihr nächstes Plakat schmücken?

Der argentinische Designer Eduardo Manso entwarf die Auszeichnungsschrift Bohemia™ im Jahr 2003. Ihre vornehmen Buchstabenformen spiegeln die Eleganz wider, die wir von den Barock-Antiqua-Schriften kennen. Die dadurch erzeugte Atmosphäre erinnert ein wenig an Schriften wie Baskerville™, auch wenn die meisten Baskerville-Replikate nicht ganz so kurvenreich sind wie Mansos Auslegung.
Die ziemlich schmal laufende Schrift mit ihrem starken Strichkontrast eignet sich sehr gut für Fliesstext und kann recht klein gesetzt werden (bis 9 Punkt). Bohemia ist eine gute Alternative zu bereits bekannteren Textschriften.

ITC Coconino™ ist das Werk des serbischen Designers Slobodan Miladinov. Die ursprüngliche Inspiration für diese Schrift mit durchgehender Strichführung „war die Idee, bestimmte akustische Eindrücke in typografische Form zu bringen, in diesem Fall die konfuse Musik des serbischen Hip-Hop-Musikers Voodoo Popeye.” Miladinov ist Art-Director in Belgrad; den Entwurf der Coconino erstellte er in Adobe Illustrator durch freies Zeichnen mit der Maus. Er sieht seine Arbeit als „Computer-Kalligrafie, die eine ganz besondere Direktheit und Spontaneität in der Notation möglich macht.” Die Striche seiner Schrift sind simpel und abrupt, wobei die Unregelmäßigkeit nicht etwa zufällig, sondern sorgfältig durchdacht ist. Die Buchstabenformen können lustig und unbeschwert oder auch chaotisch und unruhig wirken. Coconino übernimmt ihren Namen von den „Krazy Kat”-Comics und enthält auch ein paar zusätzliche Zeichen daraus.

Eagle Bold wurde 1933 von Morris Fuller Benton erstellt. Es ist eine kräftige serifenlose Schrift mit aussergewöhnlichen Spitzformen bei „Q” und „G”. Die Versalienschrift Eagle Bold ist die perfekte Wahl für Magazine und Buchumschläge, Plakate und Verpackungen.

Die Flood™, entworfen von Joachim Müller-Lancé, ist alles andere als einfach eine weitere handschriftliche Pinselschrift. In kleineren Schriftgraden gesetzt, wirkt sie wie eine natürliche, dynamische und spontane Handschrift, geschrieben mit einem Filzstift. In größeren Schriftgraden wirkt sie unmittelbar, dringlich und provokativ mit ihren stilisierten Details, jedoch ohne übertriebene Dramatik. Ihr energischer Rhythmus eignet sich vorzüglich für Menüs, Logos und kurze Texte, aber auch für Privatkorrespondenz.

Die ITC Bailey&trade Sans ist die erste Schriftfamilie des Grafikdesigners Kevin Bailey aus Dallas, Texas. Für ein Designprojekt war er auf der Suche nach einer schlichten, blockartigen Serifenschrift, konnte jedoch nichts Passendes finden. So macht er sich daran, eine eigene Serifenschrift zu entwerfen, merkte jedoch, dass die Grundelemente sehr gut ohne Serifen auskamen, weshalb er in diesem Sinne fortfuhr. Die ITC Bailey Sans ist in vier Schriftschnitten erhältlich: Book, Book Italic, Bold und Bold Italic; sie wird außerdem ergänzt durch eine Serifenschrift für Displayanwendungen, die ITC Bailey Quad Bold.

ITC Korigan&trade ist eine Kreation des französischen Designers Thierry Puyfoulhoux, eine Unzialschrift, die er als Alternative zu Victor Hammers American Uncial™ anbietet, die für ihn „das Vorbild der Unzialen bleibt.” Der runde Charakter der Unzialschriften verleiht ihnen das Aussehen von „Perlen auf einer Schnur”, wie Hammer dies ausdrückte, und die ITC Korigan steht ganz und gar in dieser Tradition. Dennoch bleiben die Buchstabenformen für das moderne Auge vertraut und gut leserlich.
Monotype Lydian&trade ist eine aussergewöhnliche serifenlose Schrift mit stark kalligraphischen Buchstabenformen, das Original stammt von American Type Founders. Das auffällige Design der Schriftfamilie machte Lydian zur beliebten Wahl bei Anwendungen wie Magazinen und Anzeigen sowie im Zeitungsbereich für Überschriften und Einleitungstexte. Der Kursivschnitt wirkt wie mit einem Füllfederhalter geschrieben.
Flyer, Intros von James Bond Filmen und Playstationspiele, aber auch Zuzane Lickos Schrift Senator inspirierten den Niederländer Paul van der Laan zur Gestaltung seiner Schrift Linotype Rezident™. Über ihre Entstehung berichtet er: „Ich designte eine Visitenkarte für einen Freund und hatte eine ganz bestimmte Vorstellung über die Typographie im Kopf. So machte ich Skizzen – teilweise direkt am Bildschirm. Ich begann damit zu experimentieren, die Schrift direkt am Computer zu konstruieren.” Es entstand die Linotype Rezident mit ihrer kühl-technischen, streng konstruierten Ausstrahlung, die den Betrachter sofort an Computer und virtuelle Realitäten denken läßt. Den Namen für seine Schrift entlehnte Paul van der Laan einerseits dem Spiel Resident Evil. Andererseits verweist der Name auch auf die Stadt „The Hague” in der er wohnt und seine Ausbildung genoss. Denn oft wird sie ‚de residentie’ genannt, weil die Queen und das Parlament dort ihren Sitz haben.
Die Octavian™ wurde 1961 von Will Carter und David Kindersley für die Monotype Corporation gestaltet.
Mr. Carter schreibt dazu: „Während die letzte Autorität die antiken Buchstabenformen sind, so zeigen sich die physischen Merkmale dieser Neuauslegung in den ökonomischen Proportionen der Formen und den modifizierten Beziehungen der Striche untereinander. Deshalb sind die Buchstaben schmaler als ihre klassischen Vorbilder und ihre Gewichte schwerer.”
Die Octavian ist eine gediegene Schrift für Bücher, aber auch für andere, weniger anspruchsvolle Anwendungen, etwa Zeitschriften und Broschüren.
Die Poplar™ ist eine der Adobe Originals-Schriften, 1990 für die Adobe Wood Type-Serie von Barbara Lind entworfen. Es ist eine schmale gotische Schrift nach der Vorlage von Fotos, die Rob Roy Kelly von einem der überlebenden Exemplare eines Schriftmusterbuchs von William Leavenworth aus dem Jahr 1830 angefertigt hatte. Leavenworth besass ungewöhnliche künstlerische Fähigkeiten; seine Behandlung der Innenräume als enge Schlitze machten diese Holzschnitt-Lettern zu den einzigen ihrer Art im 19. Jahrhundert. Die Poplar ist eine hervorragende Display-Schrift, die dank ihrer Schlichtheit für eine Vielfalt von Anwendungen eingesetzt werden kann.
„Zero Gravity” heißt das Motto der modernen digitalen Wirtschaft und Kultur: Kommunikation ohne unnötige Floskeln und Reisen ohne Extragepäck –das sind die Merkmale des modernen mobilen Menschen. Bei seiner Veto hat sich der Schweizer Designer Marco Ganz von eben diesen Geboten leiten lassen. Dynamisch, funktionell und ohne den Firlefanz oder die Schnörkel der Vergangenheit, so präsentiert er diese Schrift, die ein Alleskönner ist. Die Schriftstärken mager und normal sind gut für Mengentext, der Kursivschnitt ist mühelos lesbar, und die Fetten können als Auszeichnungsschriften herhalten.