Über eine Zeit von 50 Jahren entwarf der charismatische und unternehmerisch gesinnte Frederic W. Goudy mehr als 100 Schriften. Er war der amerikanische Typenentwerfer der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts par excellence. Goudy Old Style, 1915-1916 für die American Type Founders entworfen, ist die am besten bekannte seiner Kreationen und bildet die Grundlage für eine große Schriftfamilie mit zahlreichen Varianten. Goudy berichtet, dass ihn die Versalien auf einem Renaisssancebild auf die Idee brachten, doch der Gesamteindruck reflektiert Goudys ganz persönlichen Stil. Erkennbare Goudy-ismen sind das aufwärts zeigende Ohr des G, die rhombusförmigen Punkte über dem i und j sowie die rundliche Aufwärtsschwellung der Querbalken am Fuß des E und des L. Die Italic stellte Goudy 1918 fertig. Sie zeichnet sich durch ihre minimale Neigung aus. Die Goudy Bold (1916-1919) und Goudy Extra Bold (1927) wurden nicht von Goudy selbst gezeichnet, sondern von Morris Fuller Benton, dem talentierten Designer von ATF. 1919-1921 zeichnete Benton auch die Goudy Catalogue, die als ¿Medium¿ der Goudy Old Style gedacht war. Die Goudy Heavyface zeichnete wiederum Goudy (1925 für Monotype). Sie war als eine Rivalin der erfolgreichen
Cooper Black gedacht. Die Goudy Modern entwarf Goudy 1918; mit ihrer geringen Mittellänge, den langen Oberlängen und den kürzeren Versalien verlieh er ihr ein Gefühl von Raum und Eleganz. Benton schuf die Goudy Handtooled, die schattierte Version, deren kräftige Balken nur gerade von einem weißen Haarstrich durchzogen werden. Die Goudy Schriften, vor allem die fetteren Schriftstärken, waren schon immer sehr beliebt für Display- und Werbezwecke. Auch heute noch sieht man sie auf der ganzen Welt, und sie wirken auch für unsere modernen Augen wohltuend.