Welchen Anteil der berühmte französische Stempelschneider und Schriftgießer Claude Garamond (um 1480-1561) an der Entwicklung der französischen Renaissance-Antiqua hatte und ob die Garamond genannte Schrift wirklich von Garamonds Hand geschaffen wurde oder nur seinen Namen trägt, darüber gehen die schrifthistorischen Meinungen weit auseinander. Unbestritten allerdings ist der Einfluß den sein Werk auf die Zeitgenossen hatte, die seine Verdienste außerordentlich hoch einschätzten. Garamond oder seine Zeitgenossen verwendeten jedoch ohne Zweifel als erste zu den kursiven Gemeinen auch kursive Versalien. Nach Morisons Erkenntnissen orientierten sich die ersten Garamond-Schriften, nicht wie vorher angenommen an der Jenson, sondern vielmehr an der aldinschen Antiqua, die der weiteren Ausformung französischen Renaissance-Antiqua als Prototyp diente.
Jean Jannon (1580-1635 oder 1658 in Sedan) ist der Autor des Schnittes der berühmten Antiqua und Italika, die unter dem Namen "caractères de l¿Université" in die Schriftgeschichte einging. Diese Jannonsche Antiqua ist eine Version der Antiqua Garamonds, die sich vom Original nur durch Details unterscheidet. Sie besitzt eine kontrastreichere Zeichnung und zeigt schon leichte Einflüsse des Barock. Die "caractères de l¿Université" wurden fälschlicherweise später Garamond zugeschrieben. Dieser Irrtum bestärkte sich um so mehr, als die Druckerei der Imprimerie Nationale im Jahr 1898 einen neuen Abguß der Schrift Jannons in Auftrag gab und diese als Originalschrift Garamonds auf der Pariser Weltausstellung von 1900 der Öffentlichkeit präsentierte. Diese Jannonsche Version wurde daraufhin von vielen Schriftgießereien unter dem Namen Garamond nachgeschnitten und verbreitet.
Morris F. Bentons Garamond erschien 1936. Ihr liegt die Antiqua von Jean Jannons zugrunde, bei der schon barocke Einflüsse erkennbar sind.