Die Poetica, 1992 von Robert Slimbach entworfen, stellt einen bemerkenswert großzügig ausgebauten Schriftfont dar. 21 Schnitte stehen dem Benutzer zur Verfügung, um durch geschickte Kombination dieser ein außergewöhnlich abwechslungsreiches Schriftbild zu gestalten. Unzählige Schwungbuchstaben, Ornamente und Ligaturen lassen in dieser Schrift die Zeit der frühen Renaissance mit ihren unvergessenen Schreibmeistern wieder auferstehen. So sollte Giambattista Palatino, ein berühmter Schreibmeister dieser Zeit, später der populären Schrift Hermann Zapfs ihren Namen geben. Slimbach wählte für seine Schrift die Lettera Cancellaresca zum Vorbild - die kultivierte Kanzleiform der humanistischen Kursiv, welche später der Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der Kursiv der Renaissance und Nachrenaissance werden sollte. Die Lettera Cancellaresca ist sehr gut leserlich, äußerst harmonisch und besticht durch ihre überragende grafische Schönheit. Die frühen Formen zeigten noch zwei verschiedene Kompositionstendenzen, nämlich die Statik der einfachen senkrechten Majuskeln und die kursive Dynamik des geneigten kleinen Alphabets (dargestellt im Schnitt Chancery 4). Später gleichen sich die Großbuchstaben der Schräglage der Minuskeln an (wiederzufinden in den Schnitten Chancery 1 bis 3). Auf keinen Fall sollte man versäumen, sich die im Font enthaltene Satzhilfe gründlich anzuschauen, um die Schönheit der Poetica voll ausschöpfen zu können.