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Jan Tschichold – Zum 100. Geburtstag

Geschäftskarte, 1923
Geschäftskarte, 1923
Inserat, 1922
Inserat, 1922
Inserat, 1923
Inserat, 1923

Meisterschüler Tschichold

Im Frühling 1919 wurde Tschichold, trotz seiner Jugend, in die Schriftklasse Professor Hermann Delitschs in Leipzig aufgenommen und erlernte nebenher Gravieren, Kupferstich, Holzschnitt, Holzstich und Buchbinden. Von Anfang an war er Delitschs Lieblingsschüler, der ihm oft zu erkennen gab, daß er ihm nichts mehr beibringen könne, und ihm freie Hand ließ. Tschichold wurde 1921, neunzehnjährig, von Tiemann, dem Direktor der Akademie, damit beauftragt, den Abendunterricht im Schriftschreiben an der Akademie zu erteilen. Nebenher war er Meisterschüler Tiemanns geworden und besaß ein eigenes kleines Atelier in der Akademie.

Viel von sich reden machte zu dieser Zeit der Offenbacher Rudolf Koch. Jan Tschichold war beeindruckt von Kochs Maximilian-Grotesk und er besuchte den verehrten Meister einige Male in Offenbach. Die Handschriften Rudolf Kochs wurden für einige Zeit Vorbilder für Tschichold. Unzählige Stunden verbrachte er in der Bibliothek und dem Buchgewerbehaus in Leipzig. Hier kam er in Kontakt mit Schriftproben von Simon-Pierre Fournier und vielen alten Schreibmeisterbüchern. Er begann, solche Materialien zu sammeln. Er erhielt regelmäßig Aufträge für den Entwurf von Inseraten für die Leipziger Mustermessen und schrieb zwischen 1921 und 1925 Hunderte solcher Inserate in kalligraphischer Form.

Hauptsächlich kamen in dieser Zeit kräftige bis fette Schriften zum Einsatz, normale Schriften wurden kaum benutzt. Schriftschnitte wurden unendlich gemischt und eine allgemeine typografische Qualität war selten zu finden. Buchkünstler hatten wenige Typografiekenntnisse und konnten mit ihren eigenen Schriften selber schlecht umgehen. Sogar Emil Rudolf Weiß gab Korrekturen seiner Skizzen noch in Millimetern an, für mehr oder weniger Durchschuß verwendete er die Begriffe „etwas tiefer” oder „etwas höher”. Jan Tschichold untersuchte all diese Mängel und dies war wahrscheinlich der Anfang seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit Themen wie die Anordnungen von Schriften, Fragen des Aufbaus eines Buchtitels und ähnlichem.

Die Bodoni kam gerade auf und Tschicholds Interesse für den Satz und die Form der Schriftschnitte wuchs. Er begann 1923 den vorher unbekannten Beruf eines typografischen Entwerfers auszuüben und arbeitete als solcher für die große Leipziger Buchdruckerei Fischer & Wittig. Eine Anzeige aus dieser Zeit ist als das erste Dokument dieser Jahre bemerkenswert, denn sie zeigt Tschicholds Studium der Schreibbücher von Ludovico Arrighi und Tagliente.

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Seite zuletzt bearbeitet: 2009-07-03