Gottfried Pott– Einblicke in die Welt der Kalligraphie
Seit einigen Jahren ist in der Druckschriftenherstellung ein Trend zu beobachten, der dem Handschriftlichen eine erhöhte Aufmerksamkeit schenkt. Durch die Möglichkeit der digitalisierten Schriftherstellung ist der Zeit- und Kostenaufwand im Vergleich zum Bleisatz enorm reduziert worden. Der Schriftgestalter ist heute, dank moderner Software, in der Lage, Typedesign-Fonts weitgehend selbständig herzustellen. Heute stehen die Handdigitalisierung, das Scannen und eine kombinierte Computertechnik mit verschiedenen Spezialprogrammen zur Verfügung. Wir sollten uns aber nicht täuschen – das Sehen und der Bleistift sind nicht überflüssig geworden. In seinem Buch „Typographie” schreibt Otl Aicher: „Bei der Entwicklung der neuen Schrift "Rotis" hat uns jahrelang ein Computer begleitet, dem wir den Namen Fritz gegeben haben. Er hat uns unzählige Dienste erwiesen, am Ende hatten wir den Bleistift entdeckt. Ein neues großes Feld hat sich aufgetan, das wir so noch nicht gesehen hatten, das der menschlichen Entscheidung.”
Schlagwort der Computerindustrie: Jeder sein eigener Gutenberg. Einerseits eine Chance, Wunschtraum jedes Schriftdesigners, andererseits sind die Gefahren für die typographische Qualität nicht zu übersehen. Die Kopierwut ist grenzenlos geworden. Schriftplagiate überfluten den Markt. Schrift ist ein Kulturgut von hohem Niveau, Schrift sollte nicht nur von clevern, sondern auch von qualitätsbewußten Designern gestaltet werden. Das Schriftrepertoire, auch das der Zeit vor Gutenberg, rückt zeitgleich mit neuen Entwicklungen in das Blickfeld. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang die Schrift „Lithos” der Designerin Carol Twombly von Adobe. Es handelt sich um einen Rückgriff auf die griechisch/römische Lapidar-Antiqua. Oder betrachten wir das Projekt „Type before Gutenberg” der Linotype GmbH; initiiert wurde es von Adrian Frutiger. Er gestaltete in diesem Projekt z. B. die Schrift „Herculanum” (Römische Versalkursive); Karlgeorg Hoefer steuerte unter anderem die Fonts „Omnia” (Unziale) und „San Marco” (Rotunda) bei; Herbert Maring die Schrift „Clairveaux” (Frühgotische Buchschrift) und ich gestaltete die Fonts „Carolina” (Karolingische Minuskel) und „Duc de Berry” (Französische Bastarda). Für die Arbeit der genannten Kollegen und von meiner eigenen kann ich sagen, daß diese Fonts aus dem Schreibprozeß entwickelt wurden. In vielen Korrekturphasen wurde um eine Interpretation gerungen, die sich nicht mit einer Kopie zufrieden gab, sondern bemüht war, auch den heutigen Erfordernissen gerecht zu werden. Die technischen Möglichkeiten erleichtern heute den Gestaltungsprozeß einer Schrift erheblich. Software-Programme bieten ungeahnte Arbeitshilfen, insbesondere wenn die Zeichnungen bereits erstellt sind. Auch die vollständige Erstellung der Entwurfsarbeit am Computer ist heute möglich, erfordert aber eine um so größere Formsicherheit des Gestalters.
Schlagwort der Computerindustrie: Jeder sein eigener Gutenberg. Einerseits eine Chance, Wunschtraum jedes Schriftdesigners, andererseits sind die Gefahren für die typographische Qualität nicht zu übersehen. Die Kopierwut ist grenzenlos geworden. Schriftplagiate überfluten den Markt. Schrift ist ein Kulturgut von hohem Niveau, Schrift sollte nicht nur von clevern, sondern auch von qualitätsbewußten Designern gestaltet werden. Das Schriftrepertoire, auch das der Zeit vor Gutenberg, rückt zeitgleich mit neuen Entwicklungen in das Blickfeld. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang die Schrift „Lithos” der Designerin Carol Twombly von Adobe. Es handelt sich um einen Rückgriff auf die griechisch/römische Lapidar-Antiqua. Oder betrachten wir das Projekt „Type before Gutenberg” der Linotype GmbH; initiiert wurde es von Adrian Frutiger. Er gestaltete in diesem Projekt z. B. die Schrift „Herculanum” (Römische Versalkursive); Karlgeorg Hoefer steuerte unter anderem die Fonts „Omnia” (Unziale) und „San Marco” (Rotunda) bei; Herbert Maring die Schrift „Clairveaux” (Frühgotische Buchschrift) und ich gestaltete die Fonts „Carolina” (Karolingische Minuskel) und „Duc de Berry” (Französische Bastarda). Für die Arbeit der genannten Kollegen und von meiner eigenen kann ich sagen, daß diese Fonts aus dem Schreibprozeß entwickelt wurden. In vielen Korrekturphasen wurde um eine Interpretation gerungen, die sich nicht mit einer Kopie zufrieden gab, sondern bemüht war, auch den heutigen Erfordernissen gerecht zu werden. Die technischen Möglichkeiten erleichtern heute den Gestaltungsprozeß einer Schrift erheblich. Software-Programme bieten ungeahnte Arbeitshilfen, insbesondere wenn die Zeichnungen bereits erstellt sind. Auch die vollständige Erstellung der Entwurfsarbeit am Computer ist heute möglich, erfordert aber eine um so größere Formsicherheit des Gestalters.